Rettungsschwimmer : Die Badegäste fest im Blick

Ein Steg trennt den Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich an der Badestelle in Seehof. Von dort aus hat Rettungsschwimmer Kilian Heinrich die Badegäste am besten im Auge.
Ein Steg trennt den Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich an der Badestelle in Seehof. Von dort aus hat Rettungsschwimmer Kilian Heinrich die Badegäste am besten im Auge.

Kilian Heinrich ist Rettungsschwimmer und sorgt in der Hauptsaison dafür, dass an der Seehofer Badestelle so wenig wie möglich passiert

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04. August 2015, 08:00 Uhr

Der Junge taucht unter dem Steg durch. Immer und immer wieder. Tauchen ist super, findet er. Schwimmen auch. Beides kann er gut. Acht Jahre ist er, vielleicht auch neun. Dann ist der Spaß vorbei. Von einer Sekunde auf die andere. Mit dem Kopf stößt er vor einen der Eisenträger, die dem Steg Halt geben. Eine große Platzwunde, viel Blut. Rettungsschwimmer Kilian Heinrich kümmert sich um die Erstversorgung, bevor die Eltern ihren Jungen ins Krankenhaus fahren. Schnelle Hilfe von jemanden, der fürs Helfen ausgebildet wurde – die war in diesem Fall an der Badestelle in Seehof möglich, denn die Gemeinde leistet sich in der Hochsaison einen Rettungsschwimmer.

Wenn Kilian Heinrich nach seinem größten Einsatz als Rettungsschwimmer gefragt wird, dann spricht er von diesem Unfall aus dem vergangenen Jahr. „Toi, toi, toi. Ich bin jetzt im vierten Jahr immer in der Hauptsaison in Seehof. Schlimmeres ist hier in dieser Zeit nicht passiert“, sagt der 25-Jährige. Ein tödlicher Badeunfall, so wie er sich am 22. Juli in Schwerin-Zippendorf ereignet hat, sei ihm bisher erspart geblieben, sagt er.

Vor fünf Jahren hat der Brahlstorfer beim Kreisverband Parchim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seine Prüfungen für das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber absolviert. Erfolgreich. Und von da an hat der DRK-Kreisverband ihn an den Badestellen einsetzen können, wo eine Kommune einen Rettungsschwimmer beim DRK gemietet hat. „Wir betreuen insgesamt fünf Stellen. Zwei in Plau, eine in Sternberg, eine in Parchim“, sagt Christine Arnhold, Koordinatorin Ehrenamt beim DRK-Kreisverband. Und eben die in Seehof. Etwa 20 Rettungsschwimmer könne dieser DRK-Kreisverband derzeit vermitteln. Zu wenig, findet Arnhold. „Wir könnten noch gut 20 Rettungsschwimmer mehr gebrauchen“. Der Bedarf ist da, das Interesse an diesem Ehrenamt überschaubar. Um mehr Aktive ins Boot zu holen, bietet das DRK die Kurse für das Rettungsschwimmabzeichen mittlerweile kostenlos an, zahlt den ehrenamtlichen Rettungsschwimmern eine Aufwandsentschädigung von sechs Euro pro Stunde. Die Verantwortung, die Rettungsschwimmer haben, sei groß. Das weiß auch Kilian Heinrich. Sechs Stunden, von 12 bis 18 Uhr, hat er die Gäste der Badestelle in Seehof im Blick. Bei den herbstlichen Temperaturen zuletzt war so gut wie keiner da. Aber Anfang Juli, als das Wasser warm und die Luft fast 40 Grad heiß war, da kamen Hunderte von Besuchern. Und jetzt wird es auch wieder voller.

Und so kümmert sich Heinrich vornehmlich darum, dass im Wasser nichts passiert. Dabei ist ein vernünftiges Verhalten der Badegäste hilfreich. Doch so vernünftig ist es nicht immer. „Ich beobachte immer wieder, dass Eltern ihre Kleinkinder alleine im Wasser spielen lassen“, sagt der Rettungsschwimmer. Auch würden Eltern mit ihrem Nachwuchs, der noch nicht schwimmen kann, auch jenseits des Nichtschwimmerbereichs ins tiefe Wasser gehen. Alkoholisierte Gäste an der Badestelle, Hunde, die dort nicht sein dürften, Kinderwagen, die den Steg blockieren – auch darauf hat Heinrich ein Auge. Wird seinen Anweisungen nicht Folge geleistet, dann droht er mit Verweis oder der Polizei. „Dann klappt es meistens“, sagt Heinrich, der jetzt eine Ausbildung als Fachinformatiker Systemintegration beginnt. Als Rettungsschwimmer will er trotzdem weitermachen: „Ich finde die Aufgabe sinnvoll. Und einer muss es ja machen.“

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