Schwerin : Die alten Fliesen sind geblieben

Vergitterte Fenster, Licht- und Überwachungstechnik aus DDR-Zeiten: BBL-Projektmanager Stefan Herold zeigt den ehemaligen Gefängnishof, auf dem noch Bauleute arbeiten.
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Vergitterte Fenster, Licht- und Überwachungstechnik aus DDR-Zeiten: BBL-Projektmanager Stefan Herold zeigt den ehemaligen Gefängnishof, auf dem noch Bauleute arbeiten.

Bei den Sanierungsarbeiten am ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis wurden die Spuren der Vergangenheit erhalten.

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20. November 2017, 12:00 Uhr

Im Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland sind die Handwerker auf der Zielgeraden. Seit rund zwei Jahren läuft die Sanierung des Gebäudes im Obotritenring, das die Stasi einst als Untersuchungsgefängnis nutzte (SVZ berichtete). Ein Kernstück in diesem Jahr: die Instandsetzung des Glasdaches über dem Gefängnistrakt. „Wir sind mit den Arbeiten zu zwei Drittel fertig“, sagt der Leiter des Schweriner Geschäftsbereiches vom landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL), Robert Klaus.

Das Glasdach stammt vermutlich noch aus der Zeit, als das Justizgebäude am heutigen Demmlerplatz gebaut wurde – im Jahr 1916. Kleine Reparaturen hatte es in der Vergangenheit bereits gegeben. „Diesmal wurden aber alle Scheiben ausgewechselt und die gesamte Stahlkonstruktion gereinigt und ausgebessert“, erklärt Projektmanager Stefan Herold vom BBL. Die Sanierungsarbeiten im Dokumentationszentrum freilich gingen weit über das Glasdach hinaus. Auch das weitere Dach und die Fassade des Gebäudes, inklusive der Fenster, wurden in Ordnung gebracht. Gearbeitet wird noch auf dem Hof, auf dem einst die Gefangenen „zugeführt“ wurden, wie es im Stasi-Jargon hieß. Vergitterte Fenster, Licht- und Überwachungstechnik aus DDR-Zeiten, Glasscherben auf der Mauer, die die Häftlinge an der Flucht hindern sollten. „Den Boden wollen wir noch betonieren“, sagt Herold.

In der ehemaligen Gefängniswäscherei entstand ein Seminarraum. Eine Heizung und neue Lampen wurden eingebaut. Geblieben sind die alten Fliesen, die Flecken an den Wänden. Die Spuren der Vergangenheit sollen bewahrt werden. „Ziel unserer Arbeiten ist nicht eine Modernisierung, sondern die Konservierung, der Erhalt des Gebäudes in seiner historischen Substanz“, betont BBL-Geschäftsbereichsleiter Klaus.

Rund 2,1 Millionen Euro kostet die Sanierung, mit 1,8 Millionen Euro gefördert durch den so genannten Mauerfonds. Einige Restleistungen seien noch zu erbringen, sagt Klaus. Malerarbeiten, Installationen, kleinere Einbauten. Voraussichtlich im Mai werde das gesamte Projekt abgeschlossen sein.

Um die Arbeiten insbesondere am Glasdach über dem Zellenbereich durchführen zu können, ohne Besucher zu gefährden, hat das Dokumentationszentrum seit April geschlossen. „Anfang kommenden Jahres werden wir wahrscheinlich damit beginnen, das Haus wieder für Besuchergruppen zu öffnen“, kündigt Mitarbeiter Guido Poltersdorf an. Es solle aber auch noch eine größere Veranstaltung zur Wiedereröffnung geben.

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