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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. August 2017 | 23:33 Uhr

Schüleraustausch : „Deutsche sind sehr direkt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ayu Osawa aus Japan ist als Austauschschüler in Schwerin und lernt in der Bertolt-Brecht-Schule

Ayu Osawa ist sehr höflich. Wenn er sich mit einem älteren Menschen unterhält, setzt er sich erst, wenn er dazu aufgefordert wird. Er ist immer freundlich und zurückhaltend, drängelt sich nie vor und ist alles andere als vorlaut. Ayu Osawa ist ein echter Japaner. Derzeit aber lebt der 16-Jährige in Schwerin. Er ist Austauschschüler und lernt in der Klasse 9c der Integrativen Gesamtschule „Bertolt Brecht“.

Deutschland hat er sich ganz gezielt als Gastland ausgesucht und das hat mehrere Gründe: „Ich möchte später einmal bei Adidas arbeiten und da dieses Unternehmen seinen Hauptsitz in Deutschland hat, möchte ich mich mit dem Land und seinen Sitten und Gebräuchen vertraut machen“, erklärt er in fließendem Deutsch. „Ich möchte die Unterschiede sehen und verstehen. Denn die Deutschen sind schon sehr anders als die Japaner, immer sehr direkt. Das will ich auch lernen“, fügt er hinzu. Einen weiteren Grund gibt er dann eher vorsichtig preis: Nach dem großen Erdbeben in Japan am 11. März 2011 und dem verheerenden Tsunami, der das Reaktor-Unglück in Fukushima ausgelöst hatte, habe die japanische Presse nur sehr zögerlich über die gewaltige Dimension des Unglücks und über die schleppende Hilfe für die Opfer berichtet. Deutsche Journalisten, die die Unglücksregion besucht und dort recherchiert hatten, hätten viel offener berichtet. Das habe ihn sehr beeindruckt, sagt Ayu.

Nach Deutschland gekommen ist er über das Programm „Youth for Understanding“ (YFU) der gleichnamigen gemeinnützigen Austauschorganisation. Deutsch gelernt hatte er zunächst bei sich zu Hause privat und dann einen dreiwöchigen Intensivkurs in Dresden besucht. Bei seinen Gasteltern jetzt, der Familie Deiters, ist er sehr glücklich. „Es funktioniert alles sehr gut, ich habe jetzt sogar Gastgeschwister“, sagt Ayu Osawa. Nur sei er jetzt immer schon viel früher zu Hause als in Japan, wo er eine Ganztagsschule besuche. Doch die Brechtschule sei auch sehr gut, er komme problemlos mit den Mitschülern und Lehrern klar. Und Schnitzel und Joghurt esse er genau so gern wie seine Schweriner Gastgeschwister, fügt er lächelnd hinzu. Das werde ihm fehlen, wenn er wieder in Japan ist, wo man traditionell vor allem Fisch und Gemüse esse. „Für ein Jahr nach Deutschland zu gehen, war eine sehr gute Entscheidung. Ich würde gern noch länger hier in Schwerin bleiben“, betont der junge Japaner.

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erstellt am 24.Jun.2014 | 23:35 Uhr

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