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Integration in Schwerin : Deutsch in den Alltag bringen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach den Sprach-Anfängerkursen brauchen Flüchtlinge jetzt mehr individuelle Förderung

von
erstellt am 10.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Monika Küsel beweist Geduld und Freundlichkeit: Die zehn Männer, Frauen, die mit ihr im „Eiskristall“ sitzen, hören genau zu, notieren etwas, doch das Sprechen fällt nicht jedem leicht. „Wann treffen wir uns heute Nachmittag im Café am Markt?“ – Auf diese Frage sollen sie antworten, im ganzen Satz, jeder mit einer selbst gewählten Uhrzeit. Die einen können es sehr gut und strahlen, die anderen schaffen es kaum, die Frage zu wiederholen. Die freiwillige Deutschstunde dienstags von 15 bis 16 Uhr im Eiskristall ist einer der letzten übrig gebliebenen Sprachkurse, die Schweriner seit vergangenem Herbst ehrenamtlich angeboten haben. Denn mittlerweile gibt es Geld vom Bund für Integrationskurse und viele Bildungsträger auch in Schwerin bieten diese an. Flüchtlinge brauchen die ehrenamtlichen Kurse also kaum mehr, um erste deutsche Sätze und Grammatik zu lernen. Was sie jetzt brauchen, ist Kontakt und Kommunikation im Alltag. Ein neuer Schwerpunkt fürs Ehrenamt? „Die individuelle Sprachförderung ist auf jeden Fall ein Standbein“, sagt Almut Lüpkes, Sprecherin der Schweriner Flüchtlingshilfe. „Wir suchen jetzt Menschen, die nicht größere Gruppen unterrichten möchten, sondern sich mit Einzelnen unterhalten oder die Stadt erkunden.“ Lüpkes koordiniert die ehrenamtlichen Deutschkurse, bringt Hilfesuchende und Helfer zusammen, fragt ab, wer was bieten kann und wer was braucht. Im Bunten Q, in der Arche, in der Volkshochschule in der Hamburger Allee und im Eiskristall half sie Gruppen, Sprachkurse zu organisieren. Die ehrenamtlichen „Lehrer“ lernten dort Menschen kennen, die leicht lernen und unbedingt vorankommen wollen, einen Job suchen oder studieren gehen möchten. Anderen fiel das Deutsche extrem schwer, manche gaben auf, kamen nicht mehr zum Kurs. Solche Geschichten kennt auch Monika Küsel, die auch schon in Rehna Sprachkurse für Flüchtlinge gegeben hat. „Das war anstrengend, aber auch eine großartige Zeit“, sagt die Schwerinerin, die von Haus aus Erzieherin ist und über das Seniorenbüro zum Unterrichten kam.

Neben der individuellen Förderung stellen für die Helfer die Flüchtlinge aus Eritrea eine weitere Herausforderung dar, sagt Almut Lüpkes: „Es gibt zurzeit zwar sehr viel Unterrichtsmaterial auf Arabisch, aber keine Deutsch-Kurse in den Nationalsprachen von Eritrea.“ Die Verständigung sei schwierig. Außerdem müsse man Lösungen für die Frauen finden, die jetzt als „Familiennachzug“ nach Deutschland kommen. Damit junge Mütter einen Sprachkurs besuchen können, müsse nämlich die Kinderbetreuung sichergestellt sein, so Lüpkes. Es gibt also noch genug zu tun für die vielen ehrenamtlichen Helfer von Schwerin.

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