„Tage der Industriekultur am Wasser“ : Der Zauber alter Industrie in Schwerin

Technisches Denkmal und romantischer Verbindungsweg in den Schlossgarten: Die Drehbrücke wird Mitte Juni viermal geöffnet – ganz ohne Strom, mit bloßer Manneskraft.
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Technisches Denkmal und romantischer Verbindungsweg in den Schlossgarten: Die Drehbrücke wird Mitte Juni viermal geöffnet – ganz ohne Strom, mit bloßer Manneskraft.

Projekt der Metropolregion Hamburg mit 380 Veranstaltungen in 68 Orten wurde in Schwerin vorgestellt

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13. Mai 2017, 08:00 Uhr

Wer an Industriekultur denkt, dem fällt oft das Ruhrgebiet ein mit seinen Fabrik-Kirchen. Doch auch der Norden hat einiges zu bieten, Verborgenes und Präsentes: Hafenanlagen, Schiffe, Brücken, Schleusen, Papierfabriken, Mühlen, Bergbau. Die Metropolregion Hamburg hat deshalb die „Tage der Industriekultur am Wasser“ entwickelt – ein Wochenende mit 380 Veranstaltungen an 131 Denkmalen in 68 Orten, an dem auch eines der jüngsten Mitglieder teilnimmt, nämlich Schwerin. Seit Februar gehört die Landeshauptstadt zu dem Netzwerk mit seinen 5,7 Millionen Einwohnern. Als eine Art „Willkommensgruß“ wurde die offizielle Vorstellung des gesamten Projektes diesmal von Hamburg nach Schwerin verlegt. Marion Köhler, Pressesprecherin der Metropolregion, und Tourismusreferentin Tanja Blätter hatten die norddeutschen Medien ins Hotel Speicher am Ziegelsee eingeladen. Das ist selbst ein bedeutender Teil der Veranstaltung. Denn das imposante Gebäude ist neben dem Kran und der Essigfabrik eines der letzten Überbleibsel des historischen Hafens am kleinen See.

Am 17. und 18. Juni wird der Stadtgeschichts- und -museumsverein Interessierte jeweils von 11 bis 17 Uhr über das erste zusammenhängende Schweriner Industriegebiet informieren. „Es war seit den 20er-Jahren über Schienen mit der Eisenbahn verbunden, Schiffe konnten über den Störkanal und die Elde-Müritz-Wasserstraße von Schwerin aus auf die Elbe gelangen“, erklärt Norbert Credé vom Historischen Verein Schwerin. Am heutigen Hotel gab es seit 1939 zwei große Getreidesilos, der Getreidespeicher hatte eine Kapazität von 5000 Tonnen. 1972 arbeiteten auf dem 57 Hektar großen Hafengebiet 35 Betriebe mit rund 2000 Beschäftigten, der Gesamtumschlag betrug etwa 200 000 Tonnen. „Als 1973 die Schifffahrt auf der Elbe eingestellt wurde, verlor der Hafen langsam an Bedeutung“, so Credé. 1991 lag das Gebiet weitgehend brach, im März 1995 begann dort die Wohnbebauung.

Zu den Tagen der Industriekultur am Wasser wird auch die Drehbrücke am Schloss in Aktion zu erleben sein: Am 17. Juni öffnet sie um 15 Uhr, am 18. Juni um 11, 13 und 15 Uhr. Sie ersetzte 1897 eine hölzerne Klappbrücke und ermöglichte Lastkähnen den Weg zu dem seit 1820 existierenden Hafen am Ufer der Siegessäule. Die Schleifmühle kann an beiden Tagen von 10 bis 17 Uhr besucht werden.

Die Tage der Industriekultur am Wasser werden alle zwei Jahre veranstaltet und lockten 2015 rund 18 000 Besucher zu den Denkmälern. In unserer Region werden an diesen Tagen unter anderem Hafen und Fabriken in Grabow, der Braunkohlebergbau in Malliß, die Papierfabrik in Neu Kalliß, Wasserkraftwerk und Schleuse in Lübz sowie Lokschuppen und Hafenbahn in Wismar gezeigt.

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