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Weltkulturerbe Schwerin : Der weite Weg zum Unesco-Antrag

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neue SVZ-Reihe stellt Gebäude und Anlagen vor, die zum Residenzensemble gehören – und das aufwändige Bewerbungsverfahren

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Das Schweriner Residenzensemble als Weltkulturerbe – diese Idee hat die Menschen in der Landeshauptstadt schon fast so gepackt wie vor sieben Jahren die Bundesgartenschau. Leider ist der Weg zum Unesco-Erbe länger und wissenschaftlich aufwändiger als die Organisation einer Buga. Erst 2014 ist Schwerin auf die deutsche Bewerberliste gekommen, die so genannte Tentativliste. Ganz gewiss ist damit aber noch nicht, dass das historistische Ensemble das begehrte Prädikat erhält. „Manche Städte haben zehn Jahre auf der Tentativliste gestanden“, sagt Bernd Nottebaum. Für die Bewerbung braucht es jetzt eine Managementplanung, die das historische Ensemble und seine Bedeutung bewertet. Kunsthistorikerin Claudia Schönfeld ist seit Sommer 2015 offizielle Welterbemanagerin bei der Stadt. An der Hochschule Wismar soll außerdem eine Professur eingerichtet werden. Etwa drei Jahre werde die geforderte Bewertung in Anspruch nehmen, inklusive externer Gutachten, schätzt der Dezernent. Dann muss die Unesco entscheiden. In einer neuen Serie stellt SVZ die einzelnen Teile vor. Was macht sie so einzigartig? Wer lebte und arbeitete dort früher? Wozu dienen sie heute?

Die Ursprungsidee, das „Residenzensemble des romantischen Historismus“ zum Welterbe zu machen, hatte im Jahr 2000 der Verein „Pro Schwerin“. Ein Jahr später stimmte die Stadtvertretung für diese Idee, 2007 gab es einen Landtagsbeschluss, 2010 dann die offizielle Vereinbarung zwischen Stadt, Land und Landtag. Alle drei haben nämlich Eigentum im 140 Hektar umfassenden Kerngebiet. Im März 2015 gründete sich der Welterbeverein unter Vorsitz von Norbert Rethmann. Der Förderverein hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine breite Unterstützung des Antrages in der Bevölkerung zu erreichen.

Die Welterbekonvention hat zehn Kriterien für eine Aufnahme ins Weltkulturerbe entwickelt. Schwerin setzt auf die Punkte „Zeugnis einer Kultur“ und „Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung“: Das Residenzensemble zeige die spezifische Ausprägung der Spätphase höfischer Kultur im Europa des 19. Jahrhunderts. Es ist der Ort einer mehr als 1000 Jahre andauernden Herrschaftstradition – von den slawischen Fürsten bis zum Landtag von MV, von der Monarchie zur Demokratie. Außerdem zeichnet sich das Ensemble des romantischen Historismus in der Park- und Naturlandschaft durch einen einmaligen Erhaltungszustand und seine Geschlossenheit aus.

Wenn im so genannten Kerngebiet oder der Pufferzone jetzt gebaut oder saniert wird, hat nicht nur das Schweriner Bauamt, sondern auch Icomos, der Internationale Rat für Denkmalpflege, ein besonderes Auge auf die Entwürfe. Die dürfen allemal modern sein, so wie das Ludwig-Bölkow-Haus, müssen sich aber harmonisch einfügen in ein Gebilde von Weltrang. Der neue Museumsanbau beispielsweise kommt diesem Anspruch vorbildlich nach.

Welterbe in MV: Hansestädte  und  Buchenwälder

Zum Unesco-Welterbe in Deutschland gehören 54 Kultur- und Naturgüter. Zuletzt wurden 2015 die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit Chilehaus   aufgenommen. In MV sind die Altstädte von Stralsund und Wismar Welterbe sowie der Nationalpark Jasmund und der Serrahner Buchenwald im Müritz-Nationalpark.

Aktuell versucht eine neue Arbeitsgemeinschaft herauszufinden, ob ein größer gefasster Kulturlandschaftsantrag sinnvoll wäre, berichtet Dr. Günter Reinkober, der für die Stadt in dieser AG sitzt. Im Mai trifft sich eine Expertenkommission mit Unesco-Experten, Professoren, Vertretern von Stadt, Land und Landtag, um den weiteren Antrags-Weg festzuklopfen.

Am 5. Juni feiert Schwerin dann mit allen Bürgern Welterbetag mit zahlreichen Veranstaltungen, am 18. und 19. Juni ist Tag der offenen Tür im Landtag zusammen mit dem Schlossfest, vom 1. bis zum 3. Juli feiern die Mecklenburgischen Festspiele das Welterbefest „Greetings from the universe“ in Theater, Landtag und Museum. Am 13. und 14. Oktober gibt es eine zweite Schweriner Welterbetagung.

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