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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 04:55 Uhr

Schweriner Kriminalfälle : Der Tod kam in der Nacht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spektakuläre Kriminalfälle in Schwerin – heute: Eine ganze Familie ermordete um 1800 zahlreiche Reisende in der Schweinekurve

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Mord und Totschlag, Raub und Erpressung, Entführungen und spurloses Verschwinden – auch in Schwerin sind in der Vergangenheit spektakuläre Kriminalfälle passiert. So wie die Ermordung von mindestens 19 Reisenden in der Schweinekurve.

Fährt man heute die Schweinekurve entlang, ist nichts mehr zu sehen von den grauenvollen Verbrechen, die sich dort ereignet haben. Seit 2007 ist die Straße im Stadtteil Neumühle Bestandteil der Umgehungsstraße B 106. Reisende auf dem Weg in die Landeshauptstadt fahren hier ab, halten aber nicht mehr an. Das war um 1800 noch anders. Auf der Reise nach Schwerin fanden die Menschen in der Walkmühle von Familie Kindt eine Unterkunft für die Nacht, wenn sie es nicht mehr bis in die Stadt geschafft haben.

Der Müller Kindt, seine Frau und die vier Kinder waren hilfsbereit, öffneten das Tor der Mühle für die Fremden, boten ihnen Kost und Logis für eine Nacht. Die Reisenden waren sicherlich erleichtert, einen Schlafplatz gefunden zu haben, der ihnen Schutz vor der Nacht bot. Doch die eigentliche Bedrohung lauerte nicht außerhalb der Walkmühle, sondern in ihrem Inneren.

Waren die Gäste im Bett, schlug die mörderische Stunde der Müller-Familie. Nicht nur der Vater, auch die Mutter und die Kinder schlugen auf die Schlafenden ein „mit allem, was sie hatten“, erzählt Rainer Blumenthal vom Schweriner Stadtarchiv, wo es noch Informationen zu dem Kriminalfall gibt. „Sie sind mit äußerster Brutalität vorgegangen und haben die Gäste ausgeraubt.“

1803 soll laut den Aufzeichnungen der Hauswirt Ruhkiek aus Klein Rogahn verschwunden sein. Man fand ihn in der Kolk, einer kleinen mit Wasser gefüllten Vertiefung bei der Walkmühle, mit Pikenstößen im Kopf und Steinen in den Kleidern. Auch der Onkel von Fritz Reuter fiel der Müller-Familie zum Opfer. „Wahrscheinlich hat man danach angefangen, Nachforschungen anzustellen, weil es sich um eine bekannte Persönlichkeit handelte“, so Blumenthal.

Oberamtmann Susemihl fing an zu graben in der „Mörderkuhle“ und förderte nicht nur die Toten von Müller Kindt zu Tage, sondern auch Pferdeschädel und andere Tierkadaver. „Wahrscheinlich wurden hier seit mehr als 50 Jahren die Ermordeten entsorgt.“ Der Müller wurde festgenommen, ebenso wie seine Familie. Doch zu einem Prozess kam es nicht, denn der Mörder erhängte sich im Gefängnis und wurde auf dem Galgenberg verscharrt. Seine Frau kam in ein Arbeitshaus, zwei Söhne meldeten sich freiwillig für den Russlandfeldzug von Napoleon. Auch der Bruder des Müllers, der Hofschlächter, stand zeitweilig unter Verdacht – angeblich habe er das Fleisch der Toten verarbeitet. Auch er erhängte sich.

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