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Schweriner können sich auf warme Tage freuen : "Der Sommer kommt zurück"

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Der Schweriner Sommer war schwül, überhitzt oder verregnet. Meteorologe Dr. Reiner Tiese sagt aber voraus, dass den Landeshauptstädtern vom Wochenende an noch zehn warme Tage und ein sonniger Oktober beschert werden.

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2012 | 07:26 Uhr

Schwerin | Der Schweriner Sommer war schwül, überhitzt oder verregnet: Im Mai noch schön, verdeckte seit dem Siebenschläfertag am 27. Juni die meiste Zeit eine dicke Wolkenschicht die Sommersonne. Doch sie hat ihre Kraft nicht verloren und beschert den Landeshauptstädtern vom Wochenende an noch zehn warme Tage und einen sonnigen Oktober. Das sagt Dr. Reiner Tiesel voraus. Der Meteorologe beobachtet das Wetter im Land bereits seit mehr als 40 Jahren. SVZ-Redakteurin Juliane Haendschke sprach mit dem Experten über einen verrückten Sommer, Ex tremwetterlagen und wie sehr der Klimawandel in Schwerin zu spüren ist.

Herr Tiesel, seit dem Siebenschläfertag am 27. Juni ist der Sommer eher verregnet als sonnig. Bekommen wir noch ein paar warme Tage?

Reiner Tiesel: Oh ja, mit Sicherheit. Am Wochenende geht es los. Da können die Schweriner noch einiges anstellen. Zurzeit zieht ein Hoch über Olympia in Groß Britannien und verlagert sich langsam nach Norddeutschland. Die Ostsee hat 18 Grad Celsius, was sich auch positiv auf das Wetter auswirkt.

Wird es gleich wieder brütend heiß?

Nein, ich erwarte eher angenehme Temperaturen um die 25 Grad Celsius. Das Hoch dreht sich im Uhrzeigersinn, das heißt, der Wind treibt relativ kühle Luft aus dem Norden erst über die Ostsee und dann zu uns. Das Wetter wird sich merklich beruhigen. Zwar bilden sich weiter Wolken, aber Schauer wird es meistens erst nachts geben. Während die Südeuropäer bei 40 bis 45 Grad Celsius schwitzen, haben wir eher ausgeglichenes Wetter.

Wie sehr beeinflusst eigentlich der Schweriner See das Wetter bei uns?

Oh, sehr, fast genauso stark wie die Ostsee das Wetter in Rostock. Er lässt zum Beispiel Wind und Wolken entstehen. Wenn der See an einem ruhigen Sommertag spiegelglatt ist und die Sonne die Häuser erhitzt, beginnt sich die Wasseroberfläche gegen 11 Uhr zu kräuseln. Die Häuser erwärmen die Luft, diese steigt nach oben und zieht die kühlere Luft vom See an. Es entsteht eine Sogwirkung, in dessen Folge Wind und Cumuluswolken entstehen. Wird der Abend kühler, bricht diese Zirkulation in sich zusammen.

Der diesjährige Sommer war aber wirklich durchwachsen.

Ja, er war verrückt, aber nicht untypisch. Lassen wir das Jahr Revue passieren: Wir hatten im Januar eine schwere Winterperiode, danach wurde es milder. Zu Pfingsten hatten wir bereits ein typisches Mai-Hoch, es war richtig heiß. Der Sommer war nicht nur verregnet, das dürfen wir nicht vergessen. Erst im Juni und Juli folgte das Durcheinander. Eigentlich so richtig seit dem Siebenschläfertag am 27. Juni. Die wärmsten Tage sind aus der Erfahrung heraus der 1. und 2. August. Da hat die Sonne große Kraft.

Wagen Sie eine Prognose für den Herbst?

Ja. Sicher kann ich es natürlich nicht voraussagen. Aus der Erfahrung heraus würde ich sagen, dass nach einem Mai-Hoch und einer monsunartigen Westströmung, wie wir sie diesen Sommer hatten, ein richtig schöner Altweibersommer folgt.

Was meint ein Meteorologe, wenn er vom Altweibersommer spricht?

Das sind meteorologisch gesehen drei bis vier kleine Wetterhochs, die in regelmäßigen Abständen am Sommerende und Anfang Herbst über Deutschland hinweg ziehen. Dann stabilisiert sich die Wetterlage und es wird ruhiger. Ich schätze, dass wir etwa - auf den Tag genau kann man das ja nie sagen - vom 19. September bis zum 25. Oktober noch einmal herrliche Spätsommertage erwarten können. Und danach kommen die typischen Herbststürme und nassen Novembertage. Allerdings war der Sommer sehr kühl, die Luftmassen nicht so tropisch aufgeheizt, so dass wir weniger schwere Wetter erhalten.

Sie haben für die Wetter-Kapriolen natürliche Erklärungen. Gibt es Ihrer Meinung nach den Klimawandel?

Ja, und Sie spüren ihn in Schwerin deutlich. Blicken wir 150 Jahre zurück, hatten wir in den vergangenen 20 Jahren die zehn heißesten Sommer. Wir haben seit 1988 eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur um 0,5 Grad Celsius. Die größere Erwärmung sorgt auch für unruhigeres Wetter.

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