Rückblick in Schwerin : Der schwere Weg zum Welterbe

Der moderne Anbau am Staatlichen Museum: Größe, Standort und Aussehen wurden mit Experten des internationalen Denkmalrates beraten, damit er die Unesco-Bewerbung nicht stört.
Der moderne Anbau am Staatlichen Museum: Größe, Standort und Aussehen wurden mit Experten des internationalen Denkmalrates beraten, damit er die Unesco-Bewerbung nicht stört.

Wissenschaftliche Antragsbegründung, Managementplan und Lobbyarbeit sollen Schwerins Unesco-Bewerbung den Weg ebnen

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04. Januar 2018, 12:00 Uhr

Expertentreffen im November in Schwerin: Es war das erste Mal, dass eine Fachtagung des Deutschen Nationalkomitees des Internationalen Rates für Denkmale und Denkmalbereiche (Icomos) in einer Stadt stattfand, die sich erst um den Titel des Weltkulturerbes der Unesco bewirbt. Dass der deutsche Rat im Schweriner Schloss tagte, war aber keine Vorentscheidung für die Aufnahme des Residenzensembles in die Liste der Unesco als Erbe der Menschheit. Denn die Entscheidung trifft nur das Welterbekomitee der Spezialorganistion der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco). Und das entscheidet auch gegen Empfehlungen der Fachleute.

So ergeben sich für Schwerin gleich drei Baustellen auf dem Weg zum Welterbe-Status: Es muss ein wissenschaftlich fundierter Antrag erarbeitet werden, der die Einzigartigkeit des Residenzensembles als Kulturlandschaft nachweist. Außerdem ist ein Managementplan zu erarbeiten, der festlegt, wie mit dem Schweriner Welterbe in Zukunft umgegangen werden soll. Und es sind auf politischer Ebene Kontakte zu knüpfen, um schon im Vorfeld die Mitglieder des Welterbekomitees zu überzeugen, dass Schwerin auf die Unesco-Liste gehört.

Zuvor aber muss geklärt werden, was zur Schweriner Kulturlandschaft des romantischen Historismus gehört. Klar ist offenbar bereits: Schloss Wiligrad und das Jagdschloss Raben Steinfeld gehören nicht dazu. Auch international gibt es unterschiedliche Meinungen, wie weit Kulturlandschaft gefasst werden kann. Während einige Länder bereits ein Schloss mit Schlossgarten als Kulturlandschaft sehen, zählen andere einen weiteren Bereich dazu. Dabei spielen Sichtachsen in die Landschaft offenbar eine wesentliche Rolle.

Auch die Bautätigkeit im Welterbebereich und in der so genannten Pufferzone drum herum spielen eine Rolle. In Lübeck und an der Wartburg gab es erhebliche Diskussionen, ob Windkraftanlagen in Sichtweite gebaut werden dürfen.

In Schwerin spielte das Welterbe bereits vor Erlangung dieses Status eine Rolle. Der Museumsanbau neben der Galerie Alte und Neue Meister sowie ein Lückenbau an der Graf-Schack-Allee wurden mit Icomos abgestimmt. Und gegen die Mehrheitsentscheidung der Stadtvertretung, den Sportplatz Paulshöhe aufzugeben, läuft die Aktion Stadt und Kulturschutz Sturm, weil die Stadtvertretung einst den Ostorfer Hals als Denkmalschutzgebiet ausgewiesen hat.


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