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Buchenwälder : Der Reppin: Mekka für geschützte Arten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf sechs Hektar können Spaziergänger einzigartigen Lebensraum besuchen

von
erstellt am 24.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Die Halbinsel Reppin in Mueß ist derzeit nichts für zarte Nerven: Mehr als 600 Spinnen pro Quadratmeter umgeben Waldspaziergänger und Pilzesucher im herbstlichen Buchenwald. Im gerade einmal sechs Hektar großen Forst an der Reppiner Burg tobt das Leben. Klein, aber fein ist das Biotop, das vor allem bei seltenen Spinnen-, Vogel- und Insektenarten als Geheimtipp gilt. „Viele Arten stehen auf der Roten Liste und haben nur noch in den verbliebenen Buchenwäldern letzte Zufluchten“, sagt Janine Wilken vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Halbinsel Reppin ist eine von ihnen – nicht nur als FFH-Gebiet, sondern sie gehört auch zum Vogelschutzgebiet „Schweriner Seen“ und ist Teil eines Landschaftsschutzgebietes.

Der BUND hat Buchenwälder zum Biotop des Monats September ernannt, um den Lebensraum bekannter zu machen. „Aufgrund der natürlichen Gegebenheiten müsste die Buche in MV dominieren, allerdings liegt ihr Anteil unter den in Wäldern vorkommenden Baumarten inzwischen bei nur zwölf Prozent“, so die Naturschutz-Expertin weiter. So gilt die Halbinsel Reppin auch bei Naturschützern als Geheimtipp. Nicht nur Tiere, auch viele Pilze fühlen sich in ihrem Schutz wohl. „Der seltene Sommerröhrling bildet nur bei Rotbuchen Fruchtkörper aus. Auch die Herbsttrompete, ein Gewürzpilz, bevorzugt die Gegenwart von Buchen. Hübsch anzusehen, aber kein Speisepilz ist der Beringte Schleimrübling, der an dem toten Holz von Buchen wächst“, erklärt Janine Wilken. Auch unauffällige Moose wachsen dort in ganz anderem Licht: Schwanenhals-Sternmoos, Zypressenschlafmoos und Wellenblättriges Katharinenmoos. „Viele Moose in MV stehen auf der Roten Liste“, so die Fachfrau.

Vor allem abseits der Wege stoßen Pilzsucher auf der Halbinsel Reppin auf pures, aber seltenes Leben: Waldmistkäfer verzehren Nacktschnecken. Eine außerordentliche Besonderheit für diesen kleinen Waldlebensraumtyp sind die vielen Spechte: Mittelspecht, Schwarzspecht, Kleinspecht und Buntspecht. Vielleicht hören Spaziergänger sie noch klopfen – auch wenn sie erst im Frühling richtig Radau machen. Die wertvollen Altbäume am Reppin dienen Wespenbussard, Schwarzmilan, Rotmilan und Seeadler als Horststandorte. Im Herbst ist das Aufsuchen ihrer Horste eher unproblematisch. Der Wespenbussard dürfte bereits weggezogen sein. Mit etwas Glück sind der Rot- und der Schwarzmilan noch im Lande.

Der stark gefährdete Eremit, ein Rosenkäfer, hat in Baumhöhlen am Reppin ein ideales Zuhause. Laut Bundesamt für Naturschutz stellt die direkte Vernichtung sehr alter Laubbaumbestände eine große Gefahr für diese Käferart dar. Ein weiterer Bewohner von Baumhöhlen in diesem Buchenwald ist die ebenso gefährdete Wasserfledermaus. Ihr Jagdgebiet in der Dämmerung sind die angrenzenden Flächen des Schweriner Sees. So lohnt sich für neugierige Waldspaziergänger gerade im Herbst ein Abstecher in das unauffällige, aber sehr lebendige Schweriner Waldgebiet.



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