Schätze Schwerins : Der Reiter im Kirchenbuch

Archivmitarbeiterin Grace Anders zeigt das Kirchenbuch von Barkow, das die Kinderzeichnung von 1804 enthält .  Fotos: Klawitter
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Archivmitarbeiterin Grace Anders zeigt das Kirchenbuch von Barkow, das die Kinderzeichnung von 1804 enthält . Fotos: Klawitter

Verborgene Kostbarkeiten: Archiv am Dom besitzt nicht nur viele Schriftstücke, sondern auch eine mehr als 200 Jahre alte Kinderzeichnung

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04. September 2015, 12:00 Uhr

Es waren wohl gesetzte Worte, die Pastor Johann Christoph Jakob Fromm aus dem pommerschen Rossow wählte, als er sich in einem Brief vom 26. Juni 1804 bei seinem Amtsbruder Johann Carl August Susemihl in Barkow in Mecklenburg einlud: „Volente Deo und wenn keine ganz unvermuthete und wichtige Amts-Geschäfte mich abhalten nehme ich mir die Freyheit dich und deine liebe Frau am 10ten Julius auf eine Tasse Caffe zu besuchen und zu-
gleich um ein brüderliches Nachtlager zu bitten. Ich bin nur allein und zu Pferde. Bin ich willkommen, so erwarte ich dich zu Hause.“

Ob Pastor Fromm die immerhin mehr als 60 Kilometer weite Reise wirklich angetreten hat, kann heute niemand sagen. Sein Brief aber ist im Landeskirchlichen Archiv in Schwerin erhalten – in einem Kirchenbuch von Barkow. Ein verborgener Schatz, das Schreiben allein schon eine Rarität. Was Archivmitarbeiterin Grace Anders aber vollends entzückt, ist eine Zeichnung aus Kinderhand, die sich ebenfalls im Kirchenbuch findet: ein Reiter hoch zu Ross. „Vermutlich hat eines der Kinder von Pastor Susemihl den Reiter gemalt – in Erwartung des bevorstehenden Besuches“, so Anders. Dabei falle auf, dass sich das vor mehr als 200 Jahren entstandene Bild nicht von Bleistift-Zeichnungen unterscheide, wie sie Kinder heute anfertigten. Eine echte Kostbarkeit.

Im Archiv am Dom gibt es aber noch viel mehr verborgene Schätze. So präsentiert Annette Rauchegger vom Kirchenkreisarchiv einen Gemeindebericht, den der Pastor von Serrahn, Carl Plass, im Jahr 1860 für den Oberkirchenrat verfasst hat. „Einen solchen Bericht zu schreiben, war damals üblich. Manche Pastoren schilderten das Geschehen in ihren Gemeinden ausführlich, andere hielten ihre Ausführungen eher knapp“, erläutert Rauchegger. Pastor Plass, immerhin fast 50 Jahre Seelsorger in Serrahn, habe zur ersten Kategorie gehört. Und so berichtete er dem Oberkirchenrat auch eingehend über den Ärger, den er mit dem Kirchpatron hatte. Der Herr von B. wollte nämlich partout seinen jüngsten Spross nicht zur Taufe bringen und erfand immer neue Ausreden, bis es dem Pastor zu bunt wurde. „Er fuhr mit dem Wagen beim Patron vor und taufte das Kind zu Hause“, sagt Rauchegger.


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