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Schweriner Theater : Der Meister der optischen Täuschung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer steckt eigentlich dahinter? Heute: Ullrich Altermann ist Theatermaler und kann fast alles aus Holz und Pappe zaubern

von
erstellt am 18.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Wer nennt den Schwerinern die nächste Haltestelle in der Straßenbahn? Wer zeigt im Kino die Filme? Und wer bereitet in der Kantine jeden Mittag das Essen zu? In dieser Woche stellt SVZ Menschen vor, deren Leistungen zu unserem Alltag in der Stadt gehören, die jedoch im Hintergrund bleiben.

Wenn im Sommer auf dem Alten Garten ein Schloss oder eine Pyramide entsteht, hat Ullrich Altermann seine Hand im Spiel. Wenn sich die Bühne im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters in einen Wald oder eine Wohnung verwandelt, hat der studierte Theatermaler Farben und Materialien ausgewählt, die die optische Täuschung perfekt machen. Als Vorstand des Malsaals ist er an jeder Inszenierung beteiligt – und tritt doch nie in Erscheinung. Beim Blick in seine Werkstätten indes wird die ganze Bandbreite seiner Arbeit sichtbar. Dort hängen riesige Gemälde an den Wänden, stehen erotisch geformte Skulpturen auf den Schränken. Überall glänzen Gold und Silber, faszinieren Marmor und Bronze. Doch das ist alles nur Imitation. Aber so perfekt gemacht, dass es der Laie nicht erkennen kann.

„Das genau ist unsere Aufgabe“, sagt Ullrich Altermann. „Wir erzeugen Illusionen.“ Um mit Farbe das Spiel von Licht und Schatten auf einer Hauswand zu imitieren, eine Sperrholzplatte als dreidimensionale Fassade erscheinen zu lassen oder ein Bodentuch wie ein Fliesenfußboden wirken zu lassen, benötige man Wissen, Gefühl für Material und Erfahrung, sagt der Malsaalvorstand lachend, der zugleich auch noch Chef der Deko- und Polsterabteilung ist.

„Für eine imitierte Marmorstatue beispielsweise brauche ich ein Stahlgerüst. Das wird mit Karnickeldraht so umwickelt, dass ich die gewünschte Form erhalte. Dann kommt Stoff drüber, der so angemalt wird, dass er wie Marmor schimmert und fertig ist das Teil“, schildert Altermann. Doch ganz so schnell und einfach geht der Bau von Requisiten und Kulissen natürlich nicht. Vor allem erfordert das künstlerisches Talent, Erfahrung mit Material und Farbe. Die mixen sich die Theatermaler meist selbst. Dafür werden Pigmente mit Leim- oder Wasserfarben gemischt. Für die Arbeit auf Textilien kommt sogar noch Knochenleim zum Einsatz, der mit der Hasenpfote aufgetragen wird.

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