Jubiläumsfeier : Der Mauerfall – ein Glücksfall

Gedenken in der Kirche: Auch Ministerpräsident Erwin Sellering und sein Amtskollege aus Schleswig-Holstein, Torsten Albig, nahmen am ökumenischen Gottesdienst im Dom teil.  Fotos: Reinhard Klawitter (2) / Jens Büttner (1)
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Gedenken in der Kirche: Auch Ministerpräsident Erwin Sellering und sein Amtskollege aus Schleswig-Holstein, Torsten Albig, nahmen am ökumenischen Gottesdienst im Dom teil. Fotos: Reinhard Klawitter (2) / Jens Büttner (1)

Gottesdienst im Dom, Festakt im Theater, Gauck im Funkhaus: Kirchenvertreter und Politiker erinnerten an die Grenzöffnung vor 25 Jahren

svz.de von
09. November 2014, 20:00 Uhr

Knatternde Trabi-Kolonnen, Montagsdemos, die berühmte Pressekonferenz von Günter Schabowski: Zur Einstimmung gab es Bilder von damals auf einer großen Leinwand. Mit einem Festakt im Staatstheater haben Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gestern gemeinsam an die Grenzöffnung vor 25 Jahren erinnert. „Der Fall der Mauer, das Ende der Teilung Deutschlands ist einer der strahlendsten Momente unserer Geschichte“, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering vor mehr als 300 Gästen. „Ich bewundere zutiefst den Mut der vielen Menschen, die im Herbst 1989 ihr Schicksal in die eigene Hand genommen haben.“ Der 9. November 1989 markiere zugleich den Beginn eines Prozesses, der nicht einmal ein Jahr später zur deutschen Einheit führen sollte, betonte Sellering. „Auch fast 25 Jahre später ist es noch immer ein großes Glück und ein Anlass zur Freude, dass wir Deutschen heute wieder in einem Land zusammenleben.“

Sellerings Kieler Amtskollege Torsten Albig würdigte ebenfalls den Mut der Menschen, die im Herbst 1989 in der DDR auf die Straße gingen und das SED-Regime in die Knie zwangen. Er sei nach Schwerin gekommen, um Danke zu sagen für das „Geschenk der Freiheit“, erklärte Albig. „Wir müssen die Geschichte wachhalten“, betonte er.

In einer Gesprächsrunde auf der Theaterbühne erinnerten sich Zeitzeugen an den Herbst ’89. Jugendliche berichteten über Geschichtsprojekte. Am Festakt im Staatstheater nahmen auch engagierte Schweriner teil, die von Stadtvertretung und Verwaltung vorgeschlagen worden waren, darunter die  diesjährige  Trägerin des Annette-Köppinger-Preises für Integration und Menschlichkeit, Renate Voss. „Mit der friedlichen Revolution 1989 begann für Schwerin und seine Bürgerinnen und Bürger eine Zeit des Umbruchs, aber auch der großen Chancen“, so Oberbürgermeisterin Angelika Grambow im Vorfeld der Jubiläumsfeiern.

Eine Gesprächsrunde zum 9. November gab es gestern auch im NDR-Landesfunkhaus in Schwerin. Prominenter Gast: Bundespräsident Joachim Gauck, zu Wendezeiten Pastor in Rostock. Moderatorin Anne Will sprach mit Gauck, der im Funkhaus nach lange Zeit seine Tochter Gesine wiedertraf, über die Ereignisse von 1989.

Begonnen hatten die Feierlichkeiten zum Mauerfall-Jubiläum am Sonntagmorgen mit einem ökumenischen Gottesdienst im Dom. „Heute ist ein Tag der Freude und der Dankbarkeit“, sagte Domprediger Volker Mischok, der aber auch nachdenkliche Worte fand. Im Gedenken an die Pogromnacht vor 76 Jahren sei der 9. November gleichzeitig ein Tag der Mahnung.

„Keine Gewalt! Wir sind das Volk!“ In der friedlichen Revolution von 1989 zeige sich die große Kraft der Bergpredigt Jesu, erklärte Landesbischof Gerhard Ulrich im mit fast 700 Besuchern fast vollbesetzten Dom. Die gewaltfreie Erhebung der Bürger, die im Planspiel der DDR-Mächtigen nicht vorgesehen gewesen sei, stelle den „deutschen Beitrag zur Weltfreiheitsgeschichte“ dar. Von Ereignissen, die auch 25 Jahre danach noch wie ein großes „Wunder“ erschienen, sprach Diözesanadministrator Ansgar Thim in seiner Predigt.

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