Verborgene Schätze : Der Maler von Mecklenburg

Entdeckungsreise durch Mecklenburg: Kuratorin Dr. Kornelia Röder und Praktikant Martin Niehoff begutachten im Kupferstichkabinett ein Skizzenbuch des Malers Carl Malchin.
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Entdeckungsreise durch Mecklenburg: Kuratorin Dr. Kornelia Röder und Praktikant Martin Niehoff begutachten im Kupferstichkabinett ein Skizzenbuch des Malers Carl Malchin.

Kupferstichkabinett des Staatlichen Museums besitzt sechs Skizzenbücher von Carl Malchin

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01. September 2015, 08:00 Uhr

Das Bild zeigt eine typisch mecklenburgische Landschaft: ein Fischerort, die Häuser reetgedeckt, eingebunden in eine sommerliche Umgebung. Wustrow, wie es der Maler Carl Malchin (1838-1923) gesehen hat. „Der lockere Bleistiftstrich fällt auf, das Spiel mit Licht und Schatten, das Gespür für Stimmungen“, erklärt Dr. Kornelia Röder, Kuratorin im Kupferstichkabinett des Staatlichen Museums. Das Blatt aus einem Skizzenbuch, datiert vom 11. August 1884, ein verborgener Schatz.

„Eigentlich haben wir ja nur verborgene Schätze in unserer Abteilung“, sagt Kornelia Röder. Denn was im Kupferstichkabinett lagere, müsse vor Licht geschützt werden. Doch auch in anderen Museen und Bibliotheken in Schwerin gibt es Kostbarkeiten, die nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangen, oft einfach aus Platzgründen. In den nächsten Tagen wollen wir sie heben, die verborgenen Schätze der Stadt.

Aber zurück zu Carl Malchin: Schiffsbauer wollte der Senatoren-Sohn, geboren in Kröpelin, ursprünglich werden, machte dann aber eine Ausbildung zum Landvermesser. Seine wahre Leidenschaft gehörte allerdings schon früh der Kunst. „Carl Malchin hat Mecklenburg
als Landschaftsmotiv entdeckt“, hebt Kornelia Röder hervor. Dabei sei der Einfluss der französischen Impressionisten deutlich spürbar.

Theodor Schloepke, einflussreicher Hofmaler, überredete Großherzog Friedrich Franz II., den jungen Maler zu fördern. Der Landesherr spendierte ein Stipendium, das es Carl Malchin ermöglichte, in den 1870er-Jahren an der Kunstschule in Weimar zu studieren. Später nahm er einen Restauratoren-Job in der großherzoglichen Gemäldesammlung in Schwerin an – mit Freiraum für das eigene künstlerische Schaffen.

„Auf seinen Wanderungen hatte Carl Malchin immer ein Skizzenbuch dabei“, berichtet Kornelia Röder. Sechs solcher Bücher und 409 Handzeichnungen des Künstlers sind im Kupferstichkabinett zu finden. Das Staatliche Museum besitzt außerdem 263 Gemälde von Malchin. Der Meister selbst, der seit 1903 in Ostorf gelebt hat, vermachte die Werke dem Museum. Das Staatliche Museum habe vor, Carl Malchin eine eigene Ausstellung zu widmen, kündigt Kornelia Röder an.

Wer mit dem Künstler aber schon vorher auf eine Reise durch Mecklenburg gehen möchte, der ist im Kupferstichkabinett in der weißen Villa in der Werderstraße 141 willkommen. Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0385-5958175.

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