Pinnow : Der Lehrer bleibt noch an Bord

DerLehrer begrüßt seinen ehemaligen Schüler in der Marina Nord: Segelschul-Betreiber Herbert Arndt (r.) konnte in seinem ersten Bootsführerschein-Kurs als Betreiber der Segelschule „Petermännchen“ auch Peter Mehr begrüßen. Das war vor 25 Jahre.
DerLehrer begrüßt seinen ehemaligen Schüler in der Marina Nord: Segelschul-Betreiber Herbert Arndt (r.) konnte in seinem ersten Bootsführerschein-Kurs als Betreiber der Segelschule „Petermännchen“ auch Peter Mehr begrüßen. Das war vor 25 Jahre.

Segelschule „Petermännchen“ wird heute 25 Jahre alt: Chef Herbert Arndt brachte schon Tausenden das Boote-Steuern bei

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18. August 2015, 16:00 Uhr

Wenn er keinen mehr findet, der ihm zuhören will. Wenn er es aus eigener Kraft nicht mehr schafft, auf sein Boot zu kommen. „Dann“, das steht für Herbert Arndt fest, „ist Schluss.“ Zuhörer, die bei ihm im Unterricht das Segeln lernen oder einen Motorboot-Führerschein machen wollen, gibt es noch genug. Und auf ein Boot klettert der 66-Jährige fast noch genau so fix wie vor mehr als fünf Jahrzehnten, als er seine Liebe zum Wassersport entdeckte. Und seine Segelschule „Petermännchen“ die wird heute auf den Tag genau 25 Jahre alt.

Wer sein Hobby zum Beruf gemacht hat, der zählt in der Regel zu den Menschen, die mit ihrem Job zufrieden sind. „Ja, das bin ich auch heute noch“, sagt Herbert Arndt und blickt auf die Boote, die an den Stegen der Marina Nord festgezurrt sind und ganz behäbig im Wasser des Schweriner Heidensees dümpeln. Auf diesem Gelände hat er seine Lust am Wassersport entdeckt. Im ehemaligen Marineklub.

Schwarz-weiß, gezackter Rand, ein langer Riss. Arndt zückt ein betagtes Foto, auf dem ein Junge im hellen Matrosenanzug steht. „Das bin ich, da war ich neun“, sagt der Pinnower. Jetzt ist er 66. Und in der Zeit dazwischen? „Ist viel passiert.“ Büromaschinenmechaniker, Diplom-Ingenieur-Studium für Anlagen und Geräte der Nachrichtentechnik, Volksmarine und dann war er bis zur Wende 17 Jahre lang im Bezirk Schwerin für den See- und Tauchsport in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) verantwortlich. „Mit der Wende gab es die GST als Arbeitgeber nicht mehr“, sagt Herbert Arndt, der an einem Scheideweg stand. Arbeitsamt oder das machen, was eigentlich sei Leben war? Letzteres war der Fall und so wurde ihm am 18. August 1990 die Gewerbegenehmigung zum Betreiben einer Segelschule erteilt. „Das Registergericht wollte eine Genehmigung der obersten Luftfahrtbehörde sehen. Dort wurde das Wort Segel falsch verstanden“, erinnert sich der Mecklenburger. „Dabei hatte ich gar nicht vor, mit meinen Segel- und Motorbooten in den Luftraum einzudringen“, sagt Arndt, der zudem noch eine Fahrschule aus der Taufe hob, diese später aber abgab.

Peter Mehr war 1990 ein Segelschüler der ersten Stunde der bis dahin einzigen Segelschule in der Region. „Wir waren um die 20 Leute“, sagt der gebürtige Münchner, der zu dieser Zeit eine Gastronomie aufbaute und heute noch in MV als Koch arbeitet.

Dass Schwerin Landeshauptstadt wurde, das sei, so sagt es Arndt, sein großes Glück gewesen. Das Land brauchte viel Personal für die Ministerien. Und viele der zugereisten Landesbediensteten wollten sich in dieser wasserreichen Gegend einen Segel- oder Motorbootschein zulegen. Volle Konzentration auf die Segelschule Petermännchen mit Sitz in Pinnow und Seehof. Und die ganze Familie packte mit an. Ehefrau Margret, die Arndt vor 47 Jahren beim Wassersport kennen gelernt hatte, später die Kinder Peggy und Norman. Alle zogen an einem Strang. „Ohne sie hätte das niemals so gut geklappt“, ist sich Arndt sicher.

Schüler aus dem In- und Ausland, davon 70 Prozent Männer. Auf einen Segelschein kommen neun Motorbootscheine . 97 Prozent aller Schüler bestehen die Prüfung. Das sind nur ein paar Zahlenspiele, die bei Arndt nach vielen Jahren zu Buche stehen. Und eine Zahl beschäftigt ihn noch. Die 10  000. „So viele Schüler möchte ich gehabt haben, bevor ich mich zur Ruhe setze.“ Etwa 6000 unterrichtete er vor der Wende , rund 3000 danach. Also fehlen noch um die 1000.

Herbert Arndt packt es an, obwohl er nicht mehr so oft auf den heimischen Seen wie früher ist. Seine freie Dozententätigkeit an der Dekra-Akademie, um Umschüler zu unterrichten, nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber seine Liebe zum Wasser, das steht für ihn fest, die bleibt bestehen.

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