Schwerins Führerscheine : Der „Lappen“ weckt Erinnerungen

Andreas Hein mit seiner Fahrerlaubnis aus dem Jahr 1979. Damals waren die Haare noch länger, der Parchimer ganze 21 Jahre jung. Vier Jahre später zog er nach Schwerin. Die Fahrerlaubnis mit ihm und die Erinnerungen an eine ungewöhnliche Fahrschulzeit.
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Andreas Hein mit seiner Fahrerlaubnis aus dem Jahr 1979. Damals waren die Haare noch länger, der Parchimer ganze 21 Jahre jung. Vier Jahre später zog er nach Schwerin. Die Fahrerlaubnis mit ihm und die Erinnerungen an eine ungewöhnliche Fahrschulzeit.

Im jedem Jahr werden in Schwerin über 4000 Führerscheine ausgestellt

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01. August 2016, 09:00 Uhr

Andreas Hein hält seine Fahrerlaubnis in den Händen. So heißt das Papier, das er nun schon seit 37 Jahren besitzt. Wenn es nach ihm ginge, möchte er den „Lappen“ so lange es geht behalten. Aktuell wäre das bis zum Jahr 2033. Denn so lange gelten die unbefristeten Führerscheine, die vor 2013 ausgestellt wurden.

Doch der Verkehrsausschuss des Bundesrates hat andere Pläne. Er möchte die Schonfrist für die „Pappe“ verkürzen, etappenweise, gestaffelt nach Geburtsjahren, den Umtausch vorziehen. Andreas Hein, Jahrgang 1958, müsste dann spätestens Januar 2021 das kleine graue Klappbuch gegen den EU-Führerschein in Chipkartenformat eintauschen. Das würde ihm gar nicht gefallen. Nicht nur weil es Geld kostet. Begründet wird die geplante Gesetzesänderung mit dem hohen Verwaltungsaufwand, der möglicherweise im Jahr 2033 – also in 18 Jahren – mit dem Umtausch verbunden sein könnte.

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Sind diese Befürchtungen begründet? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Zulassungsbehörde stützen diese Vermutungen nicht. Schon heute werden jährlich rund 4000 neue Führerscheine für die Einwohner Schwerins ausgestellt. 2015 waren es zum Beispiel 4398, davon waren nur 459 Erst-Ausstellungen. Im ersten Halbjahr 2016 vermeldet der Landkreis Ludwigslust-Parchim, der hier die Dienstleistung für die Landeshauptstadt erbringt, 2521 neu erstellte Führerscheine, davon 208 für Fahranfänger, also nur zehn Prozent. Die verbleibenden 90 Prozent sind also zumeist ein Ersatz, zum Beispiel wenn ein Führerschein verloren geht. Das zeigt, dass bereits jetzt ein kontinuierlicher Austausch der alten unbefristeten Papiere stattfindet.

Es scheint ziemlich reibungslos zu verlaufen. Auswertbare Daten gäbe es zwar nicht, heißt es aus dem Landratsamt, aber in der Regel betrage die Wartezeit im Durchschnitt zehn bis 15 Minuten, um den Antrag abzugeben. Nur bei größerem Besucherandrang müsste ein Einwohner auch schon mal bis 45 Minuten warten, so das Landratsamt. Spitzenzeiten seien insbesondere die Monate Juni bis August. Dann würden zusätzliche international Führerscheine beantragt, die bei regelmäßigen Fahrten ins Ausland benötigt werden.

Andreas Hein blieb der Weg zur Zulassungsstelle bisher erspart. Seine Fahrschulzeit fällt in das Jahr 1979. „Es war genau jener Winter 1979. Der Schnee türmte sich über einen Meter an den Straßenränder“, blickt der Schweriner zurück, damals lebte er noch in Parchim. Auch diese Erinnerungen sind mit dem alten „Lappen“ verbunden. Und diese abzugeben, das wäre schon schade, sagt Hein.

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