Schwerin : Der lange Weg zum Welterbe

Das Schloss und die umgebende Kulturlandschaft sollen als historistisches Residenzensemble auf die Welterbeliste der Unesco.
Das Schloss und die umgebende Kulturlandschaft sollen als historistisches Residenzensemble auf die Welterbeliste der Unesco.

Internationale Tagung zeigt: Schwerin hat eine Chance auf die Unesco-Liste zu kommen, muss dafür aber noch viel tun

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06. November 2017, 20:55 Uhr

„Wir wollen Unesco-Weltkulturerbe werden.“ Das sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Rande der dritten Schweriner Welterbetagung, die zugleich die Internationale Fachtagung des Deutschen Nationalkomitees des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos) ist. Es sei gelungen, mit dem Residenzensemble das Historische zu erhalten und es gleichzeitig den Bedürfnissen von heute anzupassen.

Allerdings wurde auf der Tagung auch deutlich, dass es ein langer Weg bis zur Anerkennung als Welterbe durch die Unesco sein wird. Auch wenn Schwerin bereits auf der deutschen Vorschlagsliste steht, so ist doch bis 2019 noch ein detaillierter, wissenschaftlich begründeter Antrag zu erarbeiten, in dem der „universelle, einzigartige Charakter“ des Residenzensembles und der umgebenden Kulturlandschaft darzustellen ist. Dazu gehört auch ein Managementplan, mit dem geregelt werden muss, wie mit den Denkmälern umzugehen ist. Eine Aufnahme in die Welterbeliste wäre dann 2022 möglich.

Prof. Dr. Marie-Theres Albert vom Berliner Institut Heritage Studies wies darauf hin, dass 50 Prozent aller Objekte auf der Weltkulturerbeliste in Europa liegen. Dieses Ungleichgewicht zum Rest der Welt mache es schwierig, weitere europäische Objekte auf die Liste zu bekommen. Zumal bisher nur der materielle Wert für die Unesco eine Rolle spielte. Mit der Aufnahme der Kulturlandschaft als Kriterium für das Welterbe im Jahre 1994 gibt es aber die Möglichkeit, auch inhaltliche ideelle, politische oder kulturelle Aspekte in die Bewerbung aufzunehmen. Das sei eine Chance für Schwerin. Voraussetzung sei, dass die zum Residenzensemble gehörende Kulturlandschaft „klar definiert“ werden müsse. Insgesamt seien die „Besonderheiten der Epoche des Historismus in Mecklenburg-Schwerin“ herauszuarbeiten. „Das ist nicht einfach, ich bin aber sicher, Sie werden das meistern“, so Albert.

Sollte es Schwerin schaffen, auf die Welterbeliste zu kommen, muss aber auch schon klar sein, wie die Stadt mit den Auswirkungen umgeht. „Es gibt einen ausgeprägten Welterbe-Tourismus – besonders aus dem asiatischen Raum“, sagte Kerstin Manz von der deutschen Unesco-Kommission. „Die Stadt muss sich rechtzeitig auf wachsende Besucherzahlen einstellen und dafür ein schlüssiges Konzept erarbeiten.“

Der Vizepräsident von Icomos Deutschland, Dr. Christoph Machat, lobte die bisherige Arbeit für die Schweriner Welterbebewerbung. „Seit vielen Jahren fordere ich die deutschen Bewerber auf, sich Rat und Unterstützung von Icomos zu holen. Schwerin ist die erste Stadt, in der das geschieht.“ Machat hob auch hervor, dass für die Schweriner Bewerbung Stadt, Landtag und Landesregierung sehr gut zusammenarbeiten. Ministerpräsidentin Schwesig reagierte darauf und versicherte schmunzelnd, dass die Landesregierung durchaus auch zu mancher „Schandtat“ bereit wäre.

Immer wieder hervorgehoben wurde das bürgerschaftliche Engagement. Besonders der Welterbeförderverein und Pro Schwerin wurden dabei als Vorreiter genannt. Sichtbares Zeichen für den Einsatz der Schweriner soll schon bald ein über Spenden finanziertes Bronzemodell der Stadt sein, das am Rande des Alten Gartens platziert wird, kündigte der Fördervereins-Vorsitzende Norbert Rethmann an.

Die Kommunalpolitik ist in Sachen Welterbebewerbung aber offenbar noch nicht besonders interessiert. Zum festlichen Tagungsauftakt in der Paulskirche kamen zwar viele Bürger, aber nur drei Stadtvertreter: Silvia Rabethge von der CDU sowie Cornelia Nagel und Arndt Müller von den Bündnisgrünen.

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