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Zeitung für die Landeshauptstadt

15. Dezember 2017 | 07:40 Uhr

Flüchtlinge : Der lange Weg der Integration

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Diskussion: Unternehmer und Behörden sehen keine Möglichkeit, um Flüchtlinge und Asylbewerber schnell in Arbeit zu bringen

von
erstellt am 14.Okt.2015 | 08:00 Uhr

„Sind Flüchtlinge und Ausländer eine Chance für die Wirtschaft?“, fragte der Unternehmerverband bei seinem vierten Unternehmerfrühstück. Als Quintessenz kam heraus: Derzeit eher nicht. „Wir sind auf den Zustrom von Flüchtlingen und Asylbewerbern nicht gut vorbereitet, im Gegensatz zu Kanada oder Skandinavien“, sagte der Chef der Arbeitsagentur, Dirk Heyden. Und Regine Rothe, Geschäftsführerin des Jobcenters, ergänzte: „Wir brauchen Zeit. Ganz schnelle Integrationserfolge sind nicht zu sehen.“ Sie sieht erst ab „nächstem Herbst“ Integrationschancen. Und dafür gäbe es mehrere Ursachen.

Da sind die mangelhaften Deutschkenntnisse. Die Sprache aber ist Voraussetzung für eine Beschäftigung in einer Firma. Doch ein Deutschkurs dauert mindestens sechs Monate. Ist Fachdeutsch erforderlich, ist es sogar ein Jahr. „Die Asylbewerber müssen aber ein bis zwei Monate auf einen Kurs warten“, berichtete Rothe. Ein Problem sind offenbar fehlende Deutschlehrer. Die müssen bestimmte Qualifikationen vorweisen und werden nur schlecht bezahlt, hieß es aus der Unternehmerschaft.

Die hat bisher auch nicht immer gute Erfahrungen mit ausländischen Arbeitnehmern gemacht. Jana Maiwirth, Vorstandmitglied des Landesverbandes des Hotel- und Gaststättengewerbes und selbst Hotelbesitzerin, beschäftigt spanische Auszubildende. „Sie sind unwillig, es fällt ihnen schwer, sich an Regeln zu gewöhnen und über Pünktlichkeit reden wir gar nicht mehr.“ In der Regel gingen die jungen Leute zurück in ihre Heimat. Ähnliches wusste auch Laima Möller, Inhaberin eines Reinigungsservices, zu berichten. Sie beschäftigt Frauen, die wie sie aus Litauen kommen. „Sie kommen hierher und sind gewillt zu arbeiten. Wenn sie aber mitbekommen, dass sie staatliche Leistungen bekommen können, arbeiten sie weniger oder hören ganz auf.“

Dirk Heyden verwies darauf, dass die Migranten aus einem völlig anderen Kulturkreis kämen. Er habe deshalb schon zwei arabisch sprechende Akademiker eingestellt, die die Flüchtlinge betreuen. Das Jobcenter verteile Informationsmappen in Deutsch, Englisch und Arabisch. „Wie müssen aber auch lernen, wie die Menschen sich beispielsweise im Ramadan verhalten.“ Und der Regionalchef der Helios-Kliniken, Franzel Simon, wusste zu berichten, das sich ein syrischer Arzt nichts von einer Ärztin sagen lassen wollte.

Antje Draheim vom Arbeitsministerium forderte deshalb, dass sich die Unternehmer ändern müssten für eine erfolgreiche Integration. „Nicht nur die Ausländer müssen Deutsch lernen, die Firmenchefs sollten auch Englischkenntnisse haben.“

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