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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. Oktober 2017 | 06:52 Uhr

Biotope in Schwerin : Der Kreislauf des Lebens

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Alte Friedhof in der Weststadt bietet Tieren und Pflanzen einzigartige Rückzugsräume

von
erstellt am 02.Feb.2015 | 23:12 Uhr


Knorrige Alleebäume wachen auf dem Alten Friedhof in der Weststadt über die Stätten der letzten Ruhe vieler Schweriner. Doch zwischen den Wurzeln und in den alten Stämmen regt sich mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres wieder neues Leben auf der friedlichen Begräbnisstätte, die der Schweriner Hofbaumeister Demmler im Jahr 1862 am Galgenberg plante.

Seit dem recken sich Jahr für Jahr der blau blühende Kriechende Günsel, der als Knolle überwinternde Hohle Lerchensporn und der violette Bodendecker Kleines Immergrün dem ersten warmen Licht des Jahres entgegen. In der kargen Winterlandschaft ziehen diese Farbklekse rasch Insekten, Käfer und Spinnen an – ein erster appetitlicher Gabentisch für Rotkehlchen, Nachtigall und Zaunkönig, Igel sowie Amphibien. Samen, Blätter und Wurzeln ergänzen das Angebot für Vegetarier.

Zwischen den noch kahlen Baumwipfeln jagen große Schwärme kleiner, graubrauner Vögel mit karminroter Stirn. Die Birkenzeisige fühlen sich auf dem Alten Friedhof immer wohler. Ihr Bestand ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und gilt deshalb nicht mehr als gefährdet, wie Ulrike Zell und Janine Wilken vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) berichten.

Wenn die Vögel im Frühjahr wieder in Richtung Norden aufbrechen, übernehmen Höhlenbrüter wie Kleiber, Baumläufer und Spechte wieder die Herrschaft in den Wipfeln. Nachts kriechen Fledermäuse aus ihren Unterschlüpfen in alten Bäumen und aus den Spalten denkmalgeschützter Grabanlagen.

Zwischen den Symbolen des ewigen Lebens, den immergrünen Koniferen wie Fichten und Eiben, wachsen die buschähnlichen, rotholzigen Hartriegel und die typischen Pfaffenhütchen. Sie bieten Gebüschbrütern wie Heckenbraunelle, Singdrossel und Mönchsgrasmücke eine ideale Kinderstube.

So ist der Alte Friedhof gleichzeitig kulturelles Erbe und wichtiger Rückzugsort für Flora und Fauna. Gepflegte Gräber und überwucherte Erinnerungsstätten bilden ein kleinstrukturiertes Mosaik unterschiedlicher Lebensräume, ergänzt durch offene Wiesen und Gehölzflächen. Grabsteine und Natursteinmauern bilden Felsenbiotope, die stickstoffempfindliche Moose und Flechten anziehen.

Aus naturschutzfachlicher Sicht sei der besondere Wert des Alten Friedhofs als Garten- und Landschaftsdenkmal gut nachvollziehbar, so BUND-Referentin Janine Wilken.

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