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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 22:43 Uhr

Schweriner Köpfe : „Der Knopfdrücker“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer steckt eigentlich dahinter? Heute - Filmvorführer im Kino: Seine Arbeit hat sich grundlegend verändert

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Wer nennt den Schwerinern täglich die nächste Haltestelle in der Straßenbahn? Wer nimmt eigentlich die Notrufe in der Leitstelle entgegen? Und wer bereitet in der Kantine jeden Mittag das Essen zu? In den nächsten zwei Wochen stellt SVZ Menschen vor, deren Leistungen zu unserem Alltag in der Stadt gehören, die jedoch im Hintergrund bleiben.

Das Licht geht aus, der Vorhang öffnet sich, das Popcorn steht bereit – Film ab. Doch wer sorgt eigentlich dafür, dass die Kinobesucher sich die neuesten Streifen aus Hollywood in der Landeshauptstadt angucken können? Im Mega Movies kümmern sich Tino Burmeister und sein Team um die reibungslose Vorführung der Filme. Und dabei hat sich in den vergangenen Jahrzehnten allerhand geändert.

„Ich habe Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre das Kino für mich entdeckt, damals noch in Neustrelitz“, erzählt Tino Burmeister. Mit 35-Millimeter-Filmen und tschechischen Projektoren habe er als Filmvorführer begonnen, in der DDR war das sogar ein Facharbeiterberuf. „Ich musste Lehrgänge besuchen und theoretische sowie praktische Prüfungen absolvieren.“

Mittlerweile ist alles moderner geworden, seitdem Burmeister 1995 nach Schwerin gekommen ist und in dem Lichtspielhaus am Bleicherufer arbeitet. „Früher bestanden die Filme noch aus sechs Rollen, die ich zusammenkleben musste, heute werden sie auf einer Festplatte in einem Koffer geliefert“, so der 48-Jährige. Je nach Länge sind die Dateien zwischen 100 und 300 Gigabyte groß, Filme in 3D sind noch größer. „Irgendwann werden die Streifen bestimmt via einer Leitung ins Kino kommen.“ Von der Festplatte überspielt er die Filme dann jeden Montag auf die Computer. Diese sind an Digital-Projektoren angeschlossen, die ein Stockwerk über den Kinosälen stehen. „Vor der Vorstellung müssen wir den Film mit den Trailern und der Werbung zu einem Streifen zusammenbauen“, so Burmeister. Wechselt der Film den Saal, wird er auf den entsprechenden Computer kopiert. „Das dauert ungefähr eine halbe Stunde.“

Während der Filmvorführer früher nach jeder Vorstellung den Film wechseln musste, sind heute alle Streifen auf einem Server und per Knopfdruck bedienbar. „Ich bin also eher ein Knopfdrücker“, sagt Tino Burmeister mit einem Lachen. „Und die Filme können mittlerweile ferngesteuert aus dem gesamten Kino gestartet werden.“ Daher werde er als klassischer Filmvorführer auch kaum noch gebraucht, sondern gebe sein Wissen an seine Mitarbeiter weiter. Diese starten dann nicht nur per Knopfdruck den Film, sondern kontrollieren auch die Karten beim Einlass.

Und auch das Aufgabengebiet des ehemaligen Filmvorführers hat sich verändert. „Ich übernehme administrative Aufgaben, bestelle Ware, verkaufe Karten oder auch Popcorn – je nachdem wo ich gebraucht werde.“ Zudem muss er regelmäßig die Projektoren warten. Dann fühlt sich Tino Burmeister wieder in seiner „alten“ Rolle als Filmvorführer.

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