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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 04:03 Uhr

Terror : „Der Islam ist nicht böse“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Islamische Bund und das Islamische Zentrum Schwerin verurteilen die Attentate von Paris und werben für Dialog mit den Schwerinern

von
erstellt am 16.Jan.2015 | 08:00 Uhr

„Ich verabscheue die Attentate in Paris und möchte klarstellen, dass im Koran das Töten verboten ist“, erklärt der Vorsitzende des Islamischen Bundes der Landeshauptstadt, Mohamed Dib Khanji. Nicht alle Muslime seien Attentäter und in fast jedem Land gebe es Radikale. Zur Zeit hätte er viel mit Vorurteilen zu kämpfen. „Jeder spricht über die Muslime, aber keiner mit ihnen“, erzählt er nachdenklich. Die Bevölkerung sehe gerade durch die jüngsten Ereignisse in Paris jeden Moslem als potenziellen Terroristen.

Dabei gibt es hierfür keinen Grund: „In Schwerin haben wir derzeit keine Hinweise zur Annahme eines möglichen Terroranschlags“, sagt Michael Teich, Pressesprecher des Innenministeriums.

Khanji weist darauf hin, dass der Koran von Deutschen und Muslimen oft nicht richtig verstanden werde. Es fehle das notwendige Wissen. „Der Islam ist nicht böse. Die Radikalen greifen sich Passagen aus der Heiligen Schrift und interpretieren sie frei. Einzelne predigen dann diese Zeilen und nutzen die Unwissenheit der anderen aus. Es geht immer um Macht und Geld. Menschen werden instrumentalisiert“, erklärt Khanji. In Wahrheit wolle der Prophet gar nicht, dass alle Menschen an ihn glauben. Denn dann hätte er sie so erschaffen. „Ich vergleiche die Welt gern mit einem Garten. Wenn es nur rote Rosen in ihm geben würde, würden sie eingehen. Und genauso ist es auch bei uns Menschen. Die Vielfalt ist wichtig“, sagt Khanji.

Auch Haiko Hasan Hoffmann, Vorsitzender des Vereins „Islamisches Zentrum Schwerin“, verabscheut die Morde: „Das Töten von Menschen ist durch nichts zu entschuldigen.“ Etwas Gutes habe die Sache allerdings. „Die Mörder haben ungewollt etwas erreicht. Und zwar etwas, was 1000 Politiker oder Prediger nicht geschafft hätten: So viele Menschen zusammenzubringen in ihren Unterschieden. Muslime, Juden, Christen und Atheisten – Hand in Hand gegen den Terrorismus“.

In Schwerin blicken die Menschen positiv in die Zukunft. Sie haben keine Angst vor Muslimen oder deren Glauben, wie unsere aktuelle Umfrage zeigt. Sie verstehen, dass der Terror nur durch einzelne Menschen und Gruppen begangen wird.

„Ich habe keine Angst. In Schwerin ist es ruhig. Ich werde zur Grünen Woche nach Berlin fahren – da habe ich dann doch schon ein mulmiges Gefühl“, erklärt der Elektriker Andreas Schön.

1,57 Milliarden Muslime soll es weltweit geben. Der Großteil lebt friedlich zusammen. „Wir haben Respekt vor anderen Kulturen und Glaubensrichtungen“, erzählt Mohamed Dib Khanji. Der Zusammenhalt und die Hilfe gerade in Notsituationen und Krieg sei unglaublich wichtig.

Das sehen auch viele Schweriner so: „Es ist richtig, dass wir Flüchtlinge aufnehmen. Sie haben oft Schlimmes erlebt und brauche dringend Hilfe“, sagt Altenpflegerin Monika Wölk. Trotzdem sei ihr auf Massenveranstaltungen etwas unwohl, denn die Terroristen wollen Aufmerksamkeit. Und wo sei diese besser zu erhaschen als auf Großveranstaltungen, gibt Monika Wölk zu bedenken.

 

 

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