Besonderer Auftritt : Der Hiphop der 20er-Jahre

Von der Kunstrichtung Dada gefesselt: die neunte Klasse der Freien Waldorfschule, Lehrer und das Klavierduo Haufe/Ahmels
Von der Kunstrichtung Dada gefesselt: die neunte Klasse der Freien Waldorfschule, Lehrer und das Klavierduo Haufe/Ahmels

Musik, Gedichte und Tanz: Mit „Spektakel Dada“ begeisterten die Schüler der Waldorfschule die Landeshauptstädter

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11. November 2015, 21:00 Uhr

„Dada war der Hiphop der 20er-Jahre“, sagt Sven Schneider-Svenson, Eurythmielehrer an der Schweriner Waldorfschule. „Er ist eine Anti-Anti-Haltung, aber durchaus konstruktiv. Das trifft auch heute noch den Nerv der Teenager.“ Die neunte Klasse der Freien Waldorfschule jedenfalls hat sich von der Kunstrichtung Dada packen und zu einem wunderbaren Kunstabend motivieren lassen. Seit den Sommerferien probten und probierten die Schüler – komplexe, chaotische und gleichzeitig klar durchstrukturierte Formen im Eurythmieunterricht und Gedichtrezitation im Deutschunterricht bei Christin Matzke. Sie beschäftigten sich mit der Zeit des Dada – ins Leben gerufen 1916 von Hugo Ball, Richard Huelsenbeck, Hans Arp und anderen - und den Komponisten, die von den Nazis ins Exil getrieben oder deportiert wurden. Herausgekommen ist ein grandioses, knapp einstündiges „Spektakel Dada“ mit Musik, Gedichten und Tanz. Im Haus der Kultur wurde jetzt gezeigt, wie Kultur-Kooperation in Schwerin funktionieren kann: Konservatoriums-Leiter Volker Ahmels und Friedrike Haufe spielten am Klavier Werke aus der Reihe „Verfemte Musik“, die Waldorfschüler rezitierten unter anderem das Dadaistische Manifest und tanzten, Ataraxia stellte die Bühne. Viele begeisterte Zuschauer sahen dieses besondere Stück am Montag zum Gedenken an die Reichspogromnacht.

„Spektakel Dada“ gehört zur Reihe „Taste for school“, das Volker Ahmels und Friederike Haufe 2013 entwickelten, um Schüler an Verfemte Musik heranzuführen. Dabei wird den Jugendlichen auch Bühnenerfahrung ermöglicht und sie begegnen der Zeit des Nationalsozialismus auf eine sehr emotionale Weise. Im Haus der Kultur war auch Erwin Schulhoffs „Ironien für Klavier zu vier Händen“ aus dem Jahr 1919 zu erleben. „Vor allem Schulhoffs Tod hat uns sehr berührt“, sagt Sven Schneider-Svensson. „Als Kommunist inhaftiert, durch Zwangsarbeit zerstört, an Erschöpfung gestorben. In die Schweinegrube, wo die Tierkadaver enden, warf man seinen Leichnam. Selbst die letzte Ehre wurde ihm verwehrt. Hieraus entstand unsere eurythmische Form, die getanzte Zerstörung, als Ruhe und Ehrung.“

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