Er forscht und saniert : Der Herr über alte Gemäuer

Die beiden „Babys“ von Tilo Schöfbeck: Sein Werk über mittelalterliche Kirchen in MV und die Sanierung der Havemannschen Brauerei in der Puschkinstraße 20.
Die beiden „Babys“ von Tilo Schöfbeck: Sein Werk über mittelalterliche Kirchen in MV und die Sanierung der Havemannschen Brauerei in der Puschkinstraße 20.

Bauforscher Tilo Schöfbeck untersuchte mehr als 150 Kirchen in MV, schrieb sein erstes Fachbuch und saniert das älteste Haus der Schelfstadt

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26. Februar 2014, 23:25 Uhr

Archäologen graben aus, untersuchen und tragen ab. Bauforscher bohren, untersuchen und erhalten. „Ich erstelle die Grundlagen, auf denen das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege die Entscheidung fällt, welche Teile eines historischen Gebäudes erhalten bleiben sollten“, beschreibt Tilo Schöfbeck seine Arbeit zugespitzt. Archäologen würden eher dokumentieren und entfernen.

Auf den Kopf gestellt habe er einige historische Ansichten mittlerweile – auch über den Schweriner Dom – und mehr als 150 Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern bautechnisch untersucht und erforscht. Nach zehn Jahren hält er endlich sein Erstlingswerk in den Händen – seine überarbeitete und reich bebilderte Doktorarbeit über „Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene“. Sein neuestes Projekt: Der Bauforscher saniert das älteste Haus der Schelfstadt, die alte Havemannsche Brauerei an der ehemaligen Galvanik.

Dabei hatten es ihm alte Gemäuer und Historie schon als jungem Mann angetan. 1973 geboren, stand er mit elf Jahren das erste Mal in einer Ausgrabungsstätte, viele weitere folgten. Sein Wirken in der damaligen Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte bei Dr. Erika Nagel war erst der Anfang. Geschichte sollte von da an sein ganzes Leben durchweben. Dabei bildete die Wende für ihn einen Glücksfall. „Ich wollte in der DDR keinen Wehrdienst leisten, damit war ein anfänglich angedachtes Architekturstudium für mich quasi ausgeschlossen“, sagt der 40-Jährige rückblickend. Heute sei er froh darüber, denn Architektur liege ihm gar nicht so. Es sind eher die Kunstgeschichte und die Historie. „Zwischen den Stühlen sitzt es sich einfach am besten“, sagt er aus heutiger Sicht. 1992 machte er sein Abi und schrieb sich an der Humboldt-Universität Berlin für das Studium der Ur- und Frühgeschichte und des Mittelalters ein. Dann fragte ihn ein Professor, ob er ihm in der Dendrochronologie aushelfen könne, einer naturwissenschaftlichen Methode zur Altersbestimmung von Holz. Was für Tilo Schöfbeck anfangs nur ein Studentenjob war, entpuppte sich als absoluter Glücksfall. „Ich war dort quasi im Zentrum der Bauforscher-Szene gelandet, lernte alle wichtigen Personen im Vorbeigehen kennen“, sagt er. Heute ist der Schweriner selbst ein wichtiger Teil des wissenschaftlichen Diskurses. Aufgewachsen am Nordzipfel des Schweriner Sees in Hohen Viecheln, lebt der Historiker heute mit seiner Frau, einer Architektin, und seinen zwei Kindern am Südzipfel des Sees in der Landeshauptstadt. Während er mit seiner Familie selbst einen modernen Neubau bewohnt, hält ihn sein erstes großes eigenes Sanierungsprojekt ordentlich auf Trab: die Erneuerung der Havemannschen Brauerei, dem einzigen giebelständigen Fachwerkhaus in der Schelfstadt. „Leider haben wir in dem 1698 erbauten Haus bis auf ein paar Türen aus dem 18. Jahrhundert nicht viel gefunden“, sagt er. Die Rettung des heutigen Kunstkontors in der Altstadt, an der er beteiligt war, hatte mehr für die Bauforschung gebracht.

Inzwischen gilt Tilo Schöfbeck in Fachkreisen aber vor allem als Experte für Kirchen. Er begleitete unter anderem die Dacherneuerung der Bützower Stiftskirche. Enge Beziehungen unterhält er auch mit dem Küster der Nikolaikirche in Wismar, Martin Poley, der alle Kirchen in MV aus der Luft fotografiert „und mir die Bilder zur Verfügung stellt“. Mit seinem Buch hofft Tilo Schöfbeck auch, der Backsteingotik wieder etwas Leben einzuhauchen. „Um die ist es wissenschaftlich gesehen in jüngster Zeit etwas ruhiger geworden“, so der Bauforscher.

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