Schwerin : Der geplatzte Buga-Traum: Stadt in der Kritik

Besuchermagnet und Stadtentwicklungsprogramm: Die Bundesgartenschau 2009 brachte Schwerin einen enormen Schub – sowohl touristisch als auch für den Zusammenhalt der Schweriner. Das „Wir-Gefühl“ war geboren.
Besuchermagnet und Stadtentwicklungsprogramm: Die Bundesgartenschau 2009 brachte Schwerin einen enormen Schub – sowohl touristisch als auch für den Zusammenhalt der Schweriner. Das „Wir-Gefühl“ war geboren.

Wirtschaft und Vereine kritisierten in diesem Jahr die Stadtspitze: Mehr Kampf beim Land um zweite Gartenschau wäre nötig gewesen

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28. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Ein schöner Traum wurde von der Landesregierung abrupt beendet: In Schwerin wird es keine zweite Bundesgartenschau geben. Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) und Innenminister Lorenz Caffier (CDU) ließen Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) und die Fraktionsvorsitzenden wissen, dass die Landeshauptstadt eine Buga 2025 nicht ausrichten darf. Zu hoch seien die Schulden Schwerins. Unterstützung vom Land sei deshalb nicht zu erwarten, so auch die große Koalition im Landtag.

Dem Oberbürgermeister kam diese Ansage offenbar nicht ungelegen. „Aufgrund der klaren Absage des Landes muss sich auch die Stadtvertretung zur Buga-Bewertung neu verhalten“, kommentierte Badenschier die bereits gegebene Zusage an die Bundesgartenschgesellschaft für eine Buga 2025 in Schwerin. Dafür musste er jede Menge Schelte von fast jeder Fraktion der Stadtvertretung einstecken. Vor allem für seinen Schlinger-Kurs.

 

Zunächst hatte Badenschier sich nämlich hocherfreut über die Buga-Zusage aus Bonn geäußert, war aber zurückgerudert, nachdem Innen- und Finanzminister in einer ersten Reaktion eine Förderabsage erteilt hatten. Doch außer Kritik am Oberbürgermeister gab es auch in der Stadtvertretung keine energischen Forderungen an die Landesregierung, eine zweite Buga in Schwerin zu unterstützen.

„Eine Kontaktaufnahme des Oberbürgermeisters mit uns und dem Verein Pro Schwerin, die sich am deutlichsten für die Buga stark machten, fand nicht statt, obwohl wir nochmals unsere Unterstützung angeboten hatten“, sagt Armin Jäger, Vorsitzender des Schweriner Kultur- und Gartensommervereins. „Auch die Spitzen der Fraktionen in der Stadtvertretung rührten sich nicht.“ Es stelle sich die Frage, ob es Sinn ergebe, dass Vereine versuchten, sich ehrenamtlich für die Entwicklung der Stadt zu engagieren, so Jäger.

Für eine Bundesgartenschau 2025 in Schwerin hatte die Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Bernhard Schwarz, der bereits künstlerischer Leiter der Buga 2009 war, und sein Büro Sinai hatten die Idee einer Buga vom Bertha-Klingberg-Platz bis nach Mueß entwickelt. Der Zoo und das Freilichtmuseum sollten die wichtigsten Ausstellungsflächen werden. Der Franzosenweg sollte das verbindende Element sein. Elektrische Shuttle-Busse hätten die Buga-Besucher transportieren können. Die große Überschrift des Konzeptes: die weitere Hinwendung der Stadt zum Wasser. An Gesamtkosten einschließlich vieler Baumaßnahmen waren rund 80 Millionen Euro kalkuliert worden. Doch eine solche Bundesgartenschau 2025 bleibt eben nur ein Traum.

Aber auch ohne die Buga 2025 in der Landeshauptstadt geht Schwerin nicht unter. Es wird jedoch alles länger dauern, als mit einer Gartenschau. Und einiges wird nur in abgespeckter Form umzusetzen sein (siehe Beitrag unten).

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