Schwerin : Der Geist von Bethlehem im Schräder-Haus

Statt alleine vor dem eigenen Christbaum zu sitzen, feierten viele Schweriner in der Klosterstraße gemeinsam Weihnachten. Zu essen gab es Suppe, Rinderbraten und Pudding.
Statt alleine vor dem eigenen Christbaum zu sitzen, feierten viele Schweriner in der Klosterstraße gemeinsam Weihnachten. Zu essen gab es Suppe, Rinderbraten und Pudding.

Bei der offenen Weihnacht der katholischen Gemeinde St. Anna und der Caritas feierten rund 100 Schweriner gemeinsam das Wiegenfest Christi

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26. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Zum Feiern ist Dieter Schmidt eigentlich überhaupt nicht zumute. „Mein Hund Gino ist vor einer Woche gestorben, jetzt bin ich ganz allein“, erzählt der 63-jährige Schweriner. Um der tristen Einsamkeit zu entfliehen, besuchte Dieter Schmidt wie zahlreiche andere Schweriner am Heiligen Abend das Bernhard-Schräder-Haus in der Klosterstraße.

Dort luden die katholische St.-Anna-Gemeinde und die Caritas zur offenen Weihnacht ein. Eine Veranstaltung, die nach den Worten des neuen Propstes, Stefan Krinke, den Geist von Weihnachten erfüllt: „Die offene Weihnacht bietet all denjenigen eine Zuflucht, die sonst alleine wären. Sie erhalten eine Herberge, wenn auch nur für eine Nacht. Das ist fast so, wie vor mehr als 2000 Jahren in Bethlehem.“

Ähnlich sieht das Julius Keyser, für den die freiwillige Hilfe bei der offenen Weihnacht seit mehr als zehn Jahren zum 24. Dezember gehört. „Ganz am Anfang, als ich noch klein war, war es schon schwierig, noch länger auf die Bescherung warten zu müssen“, sagt der 20-Jährige. Seitdem kommt er jedes Jahr ins Schräder-Haus und packt mit an: Er schenkt Kaffee nach, verteilt Teller und bringt das Essen auf den Tisch.

Nachdem Dieter Schmidt von seinen Bekannten freundlich begrüßt wurde, hat er Platz genommen. Er sitzt neben zwei Männern, etwa in seinem Alter. Sie unterhalten sich über ihr Leben, ihre Hoffnungen und ihre Ängste. Kurze Zeit später erklingt eine Glocke, ein Pianist spielt „Oh, Tannenbaum“. Viele der Gäste unterhalten sich, andere lauschen einfach nur. Als Propst Krinke dann die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorträgt, verstummen die leisen Gespräche. Laut wird es erst wieder, als der Gottesmann allen Anwesenden „Guten Appetit“ wünscht. Julius Keyser und die anderen Helfer servieren den ersten Gang, eine Suppe.

Nach dem Festmahl geht es für Schmidt wieder nach Hause. „Der Rinderbraten und die Klöße haben mir am besten geschmeckt“, sagt er. „Nein, Stopp. Das stimmt so nicht. Die Gespräche, das war das beste heute“, korrigiert Schmidt sich selbst. Und freut sich schon auf nächstes Jahr – und seine neuen Freunde.

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