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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 19:49 Uhr

Skurril : Der geheimnisvolle Prinz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was ist Fantasie, was ist echt? Ein 23-Jähriger spielt die von ihm selbst erschaffene Kunstfigur überzeugend und hat schon viele Fans

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2014 | 10:00 Uhr

Er nennt sich selbst unbescheiden „Prinz von Schwerin“ und ist im Stadtbild schon bekannt wie ein bunter Hund. Das liegt unter anderem an seinen glamourösen Jacken, den bunten Haaren – mal lila, mal rot – und der roten Aktentasche, auf der deutlich „Der Prinz von Schwerin“ zu lesen steht. „Das ist natürlich eine Kunstfigur“, gibt der 23-Jährige unumwunden zu. Er wolle auf diese Art die Schweriner unterhalten, erfreuen und für mehr Toleranz werben.

Auch als Privatperson pflegt er einen bizarren Stil. „Meine Wohnung habe ich ägyptisch, royal und antik eingerichtet“, sagt er und beschreibt begeistert ein selbst entworfenes Nachtgewand im Pharaonen-Stil. Seine schwarzen Handschuhe trägt er fast immer, Karl Lagerfeld ist seine Stil-Ikone und Gold seine Lieblingsfarbe. Doch viel mehr lässt „der Prinz“ nicht raus. Seinen Geburtsort gibt er ebenso wenig preis wie seine Adresse – „Innenstadt“, raunt er –, seinen Beruf und seinen Namen. „Ich bin ein echter Aristokrat“, betont der hagere, freundliche Mann mehrfach und verweist auf einen anderen Titel, der seine Homepage ziert: Hieronymus Herzog von Meranien. Dieses Adelsprädikat indes gibt es für 69,90 Euro im Internet zu kaufen. Die echte Herzogswürde von Meranien wurde 1248 zum letzten Mal verliehen. Das erwähnt der Prinz im SVZ-Gespräch aber besser nicht.

Schauspieler und „Seelensorger“ sei er, habe eine Ausbildung zum Erzieher gemacht und lange in Jugendclubs gearbeitet. Heute gäbe er Menschen Tipps, Trost und Beistand in schwierigen Lebenslagen – per Telefon, Mail oder beim Plausch am Pfaffenteich. „Ich fühle mich geistig wie ein 69-Jähriger im biologischen Körper eines 23-Jährigen“, sagt er ernst. In seinem Leben habe er nämlich schon viel durchgemacht. Was, das verrät er – mal wieder – nicht. Nur, dass er seit 2011 in Schwerin wohnt, hier die Kunstfigur „Prinz von Schwerin“ erfunden hat und dass er zwischenzeitlich auch in Köln lebt und für Schwerin wirbt.

Seine von Barock und Rokkoko inspirierten Jacketts sind selbst gemacht, etwa sechs davon habe er der Öffentlichkeit bereits präsentiert. Alle zwei bis drei Monate kommt ein neues dazu. Jeweils am Wochenende und feiertags schlüpft er ins schillernde Kostüm, aber auch wochentags verschmäht er Jeans und T-Shirt. „Ich bevorzuge Leinenhosen, Blazer und natürlich die Handschuhe“, sagt er. „Doch auch so werde ich inzwischen in der Öffentlichkeit erkannt.“ Gerade Jugendliche und Touristen finden ihn wunderbar exotisch. „Der Prinz“ wurde schon um Autogramme gebeten oder um ein Foto. Über eigene Visitenkarten denkt er angesichts der wachsenden Popularität nach, seine Homepage hat er gerade auf Vordermann gebracht. „Ich wurde auch zu Stadtführungen eingeladen“, erzählt er. Nur mit dem Petermännchen versteht er sich nicht so gut. Vielleicht hat das geschichtliche Gründe: Schließlich ist der kleine Geist ja auch ein verwunschener Prinz.

 

 

 

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