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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 19:53 Uhr

Kurioses in Schwerin : Der Fluss unterm Torhaus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kurioses und Außergewöhnliches in Schwerin – heute: Die Seeke fließt vom Ostorfer See zum Burgsee

von
erstellt am 10.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Jeder Einwohner glaubt natürlich, seine Stadt zu kennen. Uns Schwerinern geht es nicht anders: Das Schloss, die Sport- und Kongresshalle, das Werderholz, die Lankower Berge – alles wohl bekannt. Doch überall gibt es Kurioses, Außergewöhnliches, Unbekanntes. Auch in der Landeshauptstadt. Straßen ohne Hausnummer 13, eine Windmühle mitten in der Stadt, ein Flugzeugmotor im Wohnzimmer sind solche Kuriositäten. Heute geht es um einen Fluss unter einigen Wohnhäusern.

Die Seeke verbindet den Ostorfer See mit dem Burgsee. Sie fließt in etwa unter der Goethestraße und biegt dann zur einstigen Grafenmühle ab. Die stand an der heutigen Ecke Schlossstraße/mecklenburgstraße. Auf ihren Fundamenten wurde das so genannte Skraffitohaus gebaut. An der Mühle vereint sich die Seeke mit dem vom Pfaffenteich kommenden Fließgraben und fließt dann gegenüber der Einmündung Geschwister-Scholl-Straße in den Burgsee.

Die Seeke ist längst verrohrt und nicht mehr sichtbar. Ältere Schweriner können sich aber noch erinnern, dass man am Platz der Jugend in dem Fließ baden konnte. Als die Seeke noch ein durchgehend offenes Gewässer war, nutzten sie die Schweriner als Abfall- und Fäkaliengrube. Vor allem die Bewohner der Lutherstraße ließen bis 1901 ihre Abwässer direkt in das Flüsschen laufen. Der Gestank soll bei bestimmten Wetterlagen und bei Niedrigwasser bis in die Wohnungen gedrungen und furchtbar gewesen sein.So steht es in alten Akten.

Mit der Stadterweiterung war die Seeke an einigen Stellen im Wege. Sie wurde daher verrohrt und es wurden Häuser auf ihr gebaut. In den Kellern dieser Gebäude gab es die strikte Anweisung: Holzhacken verboten. Denn durch die Erschütterungen hätten die Betonrohre Risse bekommen können. Mit fatalen Folgen für die Häuser.

Auch eines der Berliner Torhäuser steht auf einem Nebenarm der Seeke. „Dort ist im Keller eine Schachtabdeckung, durch die so manches Mal das Wasser hochdrückte“, weiß Rainer Blumenthal vom Stadtarchiv zu berichten. Das Archiv nutzte einst das Torhaus.

Auch das 1911 fertig gestellte heutige Landeshauptarchiv an der Graf-Schack-Allee hatte mit dem Wasser der Seeke zu kämpfen. Hinter dem Haus war eine größere Fläche ständig durchnässt. „Wir hatten ständig etwa 30 bis 40 Zentimeter Wasser im Keller“, sagt Rainer Blumenthal, der zu DDR-Zeiten hier seinen Arbeitsplatz hatte. „Und im Keller lag ein Ruderkahn.“ Wofür der da war, kann Blumenthal allerdings bis heute nicht sagen.

Das Wasserproblem ist inzwischen gelöst. Die Kanalisation wurde saniert und ein Regenrückhaltebecken gebaut.

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