Schwerin: Komplizierte Sanierung kann im nächsten Jahr beginnen : Der Festsaal im Schloss ist Geschichte

Im ehemaligen Festsaal: Baureferentin Inga Schreiber und Landtagsdirektor Armin Tebben vergleichen immer wieder die historischen Unterlagen mit den tatsächlichen Gegebenheiten. Allein die Schäden des Schlossbrandes 1913 werden für zehn Millionen Euro beseitigt. Klawitter (2)
1 von 3
Im ehemaligen Festsaal: Baureferentin Inga Schreiber und Landtagsdirektor Armin Tebben vergleichen immer wieder die historischen Unterlagen mit den tatsächlichen Gegebenheiten. Allein die Schäden des Schlossbrandes 1913 werden für zehn Millionen Euro beseitigt. Klawitter (2)

Den Festsaal im Schweriner Schloss gibt es nicht mehr. Die Vorarbeiten zur Sanierung des Schlossgartenflügels und zum Einbau des neuen Plenarsaales haben begonnen. Im einst fast schalltoten Raum hallt die Stimme wieder.

von
18. September 2012, 08:13 Uhr

Schwerin | Den Festsaal im Schloss gibt es nicht mehr. Die Vorarbeiten zur Sanierung des Schlossgartenflügels und zum Einbau des neuen Plenarsaales haben begonnen. Die Holzverkleidungen sind heraus gerissen, kahle Ziegelwände streben zur Decke. Im einst fast schalltoten Raum hallt die Stimme wieder. "Wir haben jetzt den Sondierungsabriss weitgehend abgeschlossen", sagt Landtagsdirektor Armin Tebben. "Nun können wir untersuchen lassen, wie der Schlossgartenflügel des Schlosses konkret zu sanieren und umzubauen ist."

Es war für die Bauleute, Architekten und die Landtagsverwaltung ein spannendes Unterfangen. Was war da hinter den Holzpaneelen? Gab es noch Reste des Goldenen Saales, der 1913 beim großen Schlossbrand zerstört wurde? "Unsere Thesen haben sich weitgehend bestätigt", sagt Inga Schreiber, die Baureferentin. "Wir haben zwar einige Brandspuren gefunden, aber vom Goldenen Saal ist absolut nichts mehr vorhanden." Offenbar wurden die Reste vor dem Einbau des Festsaales abgeschlagen. Von dem sind jetzt die meterdicken Stahlbetonträger sichtbar, die den Balkon getragen haben. Merkwürdige halbrunde Elemente ragen aus den Trägern heraus, kindsarmdicke Armierstähle gucken daraus hervor. "Das sind die Reste des erste Festsaales, der in den 1950er-Jahren entstehen sollte", weiß Inga Schreiber zu berichten. "Der Bau wurde damals abgebrochen. Erst 1970 ist dann der bekannte Festsaal entstanden." Auch das war von den Unterlagen her bekannt.

Untersucht wird jetzt vor allem das Mauerwerk. Mit Spezialtechnik wurden Bohrkerne entnommen, um feststellen zu können, wie die meterdicken Mauern aufgebaut sind. "Wir gehen derzeit aber davon aus, dass auf uns keine zusätzlichen Risiken zukommen werden", sagt Armin Tebben. Er rechnet damit, dass im Herbst 2013, nach Abschluss aller Untersuchungen, mit dem Bau begonnen werden kann. Dann allerdings kommt eine komplizierte Aufgabe auf die Bauleute zu. Die Stahlbetonträger müssen Stück für Stück über das geöffnete Dach aus dem Festsaal gehoben werden. Das kann nur Zug um Zug erfolgen, weil eine plötzliche Entlastung des Schlosses dazu führen würde, dass sich das Fundament hebt. "Wir müssen Teile ausbauen und gleichzeitig neue Elemente einbringen", erklärt Inga Schreiber. Das wird dazu führen, dass die Räume unter dem Festsaal zeitweise gesperrt werden müssen. "Wir werden kein Risiko eingehen", kündigt Armin Tebben an. "Wenn wir tonnenschwere Lasten heraus heben, werden das Schlosscafé und der Eingangsbereich des Gartenportals gesperrt."

Die Bauunterlagen werden nach der Untersuchung des Festsaales nun aktualisiert. Der Landtagsdirektor geht davon aus, dass sich die bisher kalkulierte Bausumme nicht nach oben verändern wird. "Die Sanierung der Brandschäden wird zehn Millionen Euro kosten, der Einbau des neuen Plenarsaales sieben Millionen und die erforderliche Infrastruktur rund vier Millionen", so Tebben. "Außerdem haben wir schon einen Risikozuschlag von 20 Prozent berücksichtigt." Eine Zahl, die sich aus der Erfahrung von 20 Jahren Schlosssanierung ergebe, so Tebben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen