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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. September 2017 | 02:27 Uhr

Thema der Woche : Der dörfliche Charakter bleibt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eingemeindungen in die Landeshauptstadt – heute: 1936 wuchs Schwerin rasant, als aus sechs Gemeinden neue Stadtteile wurden.

svz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 23:34 Uhr

Die Landeshauptstadt hat 24 Stadtteile, doch nur wenige gehören seit der Gründung Schwerins mit der Verleihung der Stadtrechte 1160 zum Stadtgebiet. Viele der Viertel wurden erst nach und nach eingemeindet, so wie Warnitz, Wickendorf, Friedrichsthal, Medewege, Krebsförden und Mueß am 1. Oktober 1936.

Es war eine richtige Welle, die dort Anfang Oktober 1936 auf die Landeshauptstadt zurollte. Gleich sechs Dörfer am Rande der Stadt sollten eingemeindet werden: Wickendorf und Medewege im Norden, Warnitz und Friedrichsthal im Nordwesten, Krebsförden und Mueß im Süden.

Doch bevor es dazu kommen konnte, musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Bereits seit 1919 versuchte der damalige Magistrat der Stadt mehrfach, Schwerin mehr Fülle und Macht zu geben, indem die genannten Dörfer eingemeindet werden sollten. Doch die Einwohner wehrten sich vehement und lange auch erfolgreich gegen die Vereinnahmung. Auch die Einwohner von Krebsförden stimmten in der Dorfversammlung dagegen.

Dass die Schweriner Politiker die Dörfer gerne so schnell wie möglich zu einem Teil der Stadt gemacht hätten, kann mehrere Gründe haben. Bauern und Handwerker im Dorf sorgten für einen stetigen Fluß an Steuereinnahmen in die Gemeindekasse. Viele Gasthöfe und Kneipen belebten das Dorf und lockten Touristen wie der Eulenkrug in Warnitz. „De Dörpkrög wieren för männigein Buernknecht de einzig Afwesselung in sin armseligen Läwen“, erinnert sich der Zahnarzt Dr. Karl Hofmann. Auch in Friedrichsthal, Wickendorf und Mueß entstanden immer mehr Ausflugslokale, die Stadtbewohner schätzen die Natur und Ruhe in den Dörfern. Zeitgleich wuchs dort die Einwohnerzahl nach und nach, die Anbindungen an das Verkehrsnetz wurde immer besser, neue Schulen wurden gebaut.

1936 erfolgte dann die Eingemeindung der sechs Dörfer auf Befehl des damaligen Gauleiters. Der Widerstand war erloschen, wohl auch, weil die betroffenen Politiker und Bewohner gar nicht mehr gefragt wurden.

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