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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 08:44 Uhr

Betagte Bewohner : Der Club der Hundertjährigen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Crivitzer Altenheim „Elim“ gibt es seit heute fünf Bewohner, die 100 Jahre alt sind

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Als sie geboren wurden, flammte der Erste Weltkrieg auf. Als sie Kleinkinder waren, dankte der letzte deutsche Kaiser ab. Sie erlebten als Teenager die 20er-Jahre und als Erwachsene, wie Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg anzettelte. Sie wurden geboren in Niederschlesien, in Böhmen oder in Mecklenburg, arbeiteten am Backofen, in der Nähstube oder an der Ladenkasse. Luzie Drescher, Irma Berger, Paula Klucke, Marie Slabke und Franz Ossig – sie alle haben ihre eigene Geschichte, aber ihre Wege trafen sich im mecklenburgischen Crivitz. Sie leben im christlichen Altenheim „Elim“ unter einem Dach und sie verbindet etwas ganz Besonderes: alle diese Menschen sind 100 Jahre alt.

Marie Slabke redet nicht mehr gerne und viel schon gar nicht. Bescheiden sei sie, sagt ihre Betreuerin. Das sei sie immer schon gewesen, in all den 20 Jahren, in denen sie im Altenheim lebe. Viele ihrer Erinnerungen sind verblasst und ihr tägliches Leben kann sie ohne fremde Hilfe nicht mehr schaffen. „Demenz“, sagt Pflegedienstleiterin Christine Eberhard. Aber Marie Slabke, geboren in Pechofen-Schleife in der Lausitz, kann sich noch ein wenig bewegen. Früher, in der Landwirtschaft, da war sie immer in Bewegung. Ein paar Schritte, die schafft sie jetzt auch noch. Und ein paar Zeilen täglich, die liest sie. Die Bibel, das ist ihr Buch. Es hat sie begleitet, ihr Leben lang. „Es gibt auch ein schönes Bild von ihr in sorbischer Tracht“, sagt Christine Eberhard.

Für heute hat sich Besuch angekündigt. Marie Slabkes Nichte will aus der Lausitz zum Ehrentag anreisen. Denn ihre Tante wird 100 Jahre alt. „Am Nachmittag findet eine kleine Geburtstagsfeier für sie statt“, sagt Susann Fuchs. Die junge Frau ist im Haus „Elim“ zuständig für die soziale Betreuung. „Das Altenheim in Crivitz gibt es seit 1930. Fünf Hundertjährige, das gab es in all den Jahren noch nie hier“, weiß sie. 53 Frauen sind in „Elim“ zuhause. Und zehn Männer. Franz Ossig ist einer von ihnen.

31. Dezember 1913. Dieses Datum steht in seiner Geburtsurkunde. Als Lehrling hat er Brötchen gebacken, dann kam der Krieg und den im böhmischen Seitz geborenen Ossig verschlug es nach Schwerin. Erst im vergangenen Mai zog er von dort aus ins Altenheim nach Crivitz. Bis dahin hat er vieles allein stemmen können. Jetzt bekommt er dort Unterstützung, um den letzten Lebensabschnitt so schön wie möglich zu gestalten. „Wenn wir gleich ein Foto machen wollen, können sie sich dann hinter das Sofa stellen?“, fragt eine Pflegerin. „Klar, das kann ich machen“, antwortet Franz Ossig. Ein Glas Sekt, da sagt er auch nicht nein. Paula Klucke, Irma Berger und Luzie Drescher auch nicht.

Luzie Drescher ist etwas müde, aber das ist in ihrem Alter auch nichts Ungewöhnliches. Geboren wurde sie im schlesischen Myslowitz. Am 10. Dezember diesen Jahres wird sie den Club der Einhundertjährigen verlassen, denn dann wird die älteste Bewohnerin des Altenheims „Elim“ schon 100 und ein Jahr alt.

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