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Tierisches aus Dobin am See : Der Bürgermeister und die Nandus

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von Biber, Fuchs und drei flugunfähigen Vögeln, die eigentlich gar nicht hierher gehören – eine tierische Geschichte aus Dobin am See

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erstellt am 11.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Eigentlich, sagt Rüdiger Piehl, habe er nur den Biber loswerden wollen, der sich in seinem Garten in Alt Schlagsdorf niedergelassen hatte. „Deshalb habe ich auch die Zauntür aufgemacht“, erzählt der Bürgermeister der Gemeinde Dobbin am See. Der Biber war weg, „aber plötzlich standen da drei Nandus auf meinem Grundstück“.

So soll die tierische Geschichte angefangen haben, im Frühjahr vergangenen Jahres, als der Bürgermeister unerwarteten Zuwachs in seiner Gemeinde bekam. Nandus streifen eigentlich durch die Grassteppen Argentiniens, Uruguays oder Brasiliens. Doch in Nordwestmecklenburg leben sie auch in freier Wildbahn, seit 2001 einem Züchter in Schleswig-Holstein sechs Tiere entlaufen sind. Sie haben sich vermehrt. Im Herbst wurden im Biosphärereservat Schaalsee allein 83 Altvögel und 57 Jungvögel gezählt. „Vielleicht kommen sie ja daher“, vermutet Piehl.

Die Nandus waren da, und dem Bürgermeister war der Besuch gar nicht so unlieb. „Ein Bekannter von mir hatte sich Strauße besorgt, damit sie Füchse von seinen Hühnern fernhalten“, sagt Piehl. Fast 40 Hühner hat er auch, 15 Enten noch dazu. Und ein Fuchs, der sei auch schon zweimal da gewesen, um sich sein Federvieh zu holen. „Also waren die Nandus eine Zeit lang bei mir, um den Fuchs fernzuhalten“. Jetzt sind sie es nicht mehr. Mitte Januar, so Piehl, seien sie von seinem Gelände verschwunden. Aber in der Gegend , da sind sie immer noch.

Anfang der Woche wurden sie wieder gesichtet, kurz vor Retgendorf. Die Frau, die mit ihrem Auto am Straßenrand geparkt hat, ist sich sicher: „Die beiden Tiere da, das sind Nandus“. Sie zeigt auf die grau und weiß gefiederten Vögel, die zwar bis zu 50 Stundenkilometer schnell rennen, aber nicht das schaffen, was Amsel, Drossel, Fink oder Star können: zu fliegen. Nandus mögen gerne Pflanzen. Auf den Rapsfeldern in der Nähe des Schweriner Sees finden sie genug davon. Ungeachtet der Zuschauer stopfen sie sich die Bäuche voll, die von langen, dünnen Beinen getragen werden. Bis zu 50 Kilo schwer können diese Tiere werden. Die Beiden am Straßenrand sehen so aus, als wenn sie von diesem Gewicht nicht mehr weit entfernt sind. Die Frau passt auf, dass die Laufvögel nicht auf die Straße rennen. Die Polizei, sagt sie, habe sie auch schon gerufen.

In den letzten drei Wochen gingen viele Anrufe dieser Art bei der Polizeidienststelle in Sternberg ein. „Wir haben Nandus gesehen“, sagen die Anrufer. „Wir können da nichts machen, wenn sie in freier Wildbahn leben und sie keinen Eigentümer haben“, sagen dann die Beamten.

Eigentümer, betont Piehl, so würde und wolle er sich keineswegs bezeichnen, nur weil er ein paar Monate lang die Tiere versorgt habe. „Und geholfen haben sie trotzdem nicht. Der Fuchs war wieder da, hat sieben Hühner gerissen“, ärgert sich der 56-Jährige. Dass sie als Fuchs-Erschrecker versagt haben, das wird den Nandus egal sein. Das Revier in Dobin am See scheinen sie auch so zu mögen. Und vielleicht sind sie gekommen, um zu bleiben.

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