Schwerin : Der Berufsschule fehlen Räume

Eine Studie zeigt, dass Schüler nach einem Wochenende mit wenig Schlaf montags gestresst in die Schule kommen. /dpa
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Eine Studie zeigt, dass Schüler nach einem Wochenende mit wenig Schlaf montags gestresst in die Schule kommen. /dpa

Schüler müssen sich schon jetzt auf kleinster Fläche drängeln

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17. Mai 2018, 05:00 Uhr

Die Berufliche Schule Gesundheit und Sozialwesen meldet Land unter. Vom kommenden Schuljahr an weiß Schulleiterin Cornelia Wossidlo nicht, wohin mit den Auszubildenden. Schon jetzt platzt die Berufsschule aus allen Nähten. Die Schule hat in Schwerin drei Standorte: In der ehemaligen Johannes-R.-Becher-Schule in der Dr.-Hans-Wolf-Straße werden die Gesundheitsberufe gelehrt, in der Lübecker-/Arsenalstraße die sozialen Berufe. Und in Süd gibt es einen weiteren Standort. Dazu gehört auch die Ausbildung zur Staatlich anerkannten Erzieherin für bis zu zehnjährige Kinder. „Diese Ausbildung wird gut angenommen“, sagt Wossidlo. Doch genau das ist ihr Problem. „Dieser Ausbildungsgang ist neu seit diesem Lehrjahr. Die Schüler mussten wir schon zusätzlich am Innenstadtstandort unterbringen.“ Doch mit dem neuen Schuljahr kommen weitere Schüler. „Dafür fehlen uns die Räume.“ Neu ist das Thema nicht. Als vor anderthalb Jahren die Idee zu dieser Ausbildung aufkam, hat die Schulleiterin schon darauf hingewiesen, dass es dafür keine Klassenräume gibt. Dann werden wir welche schaffen, hat die Verwaltung zugesagt. Getan hat sich nichts.

Dabei sind die Verhältnisse in der Arsenalstraße alles andere als optimal. „Wir haben Unterrichtsräume, die sind weniger als 40 Quadratmeter groß. Da sitzen dann 26 Schüler.“ Muss auch noch ein Gebärdendolmetscher für ein behindertes Mädchen mit in die Klasse, wird es ganz eng.

Die Schulleiterin hat sich schon vor langer Zeit an den Fachdienst Bildung und Sport in der Stadtverwaltung gewandt. Dort wurde ihr Hilfe zugesagt. In den Schweriner Höfen sollten durch die Stadt Räume angemietet werden. Das ist inzwischen wieder vom Tisch. Die Flächen sind anderweitig vermietet. Jetzt wurden neue Räume in den Höfen angeboten. Doch selbst wenn die Stadt die anmietet, müssen sie erst für den Unterricht hergerichtet werden. Bauzeit etwa ein Vierteljahr. Das neue Ausbildungsjahr beginnt aber schon am 1. September.

Cornelia Wossidlo setzt jetzt ihre ganze Hoffnung auf Oberbürgermeister Rico Badenschier. Sie hatte es geschafft, den Verwaltungschef in ihre Schule zu lotsen, damit er die Verhältnisse dort sieht. Badenschier habe versprochen, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Kommentar: Jetzt aber schnell

Vor ein paar Jahren hat die Stadt um jede Berufsschulklasse gekämpft. Ausbildungsgänge an andere Standorte abzugeben, das ging gar nicht. Schwerin liege zentral in Westmecklenburg, hier müsse alles konzentriert werden, hieß es. Was das für die städtischen Berufsschulen bedeutet, hat offenbar keiner bedacht. Jetzt ist die Situation kaum noch zu retten. Selbst wenn Räume für die Erzieherausbildung angemietet werden, die Enge im Altbau an der Arsenalstraße bleibt. „Für jedes Ferkel gibt es eine Vorschrift, wie viel Platz es zur Verfügung haben muss“, hat mal eine Schülerin gesagt. „Für Schüler gibt es nur eine Richtlinie.“ Wenigstens die sollte die Stadt aber umsetzen. Das wäre noch lange kein Luxus, würde die Situation aber deutlich entspannen. 26 Berufsschüler auf 38 Quadratmetern ist das Niveau einer Dorfschule um 1900. Davon sollte sich eine Landeshauptstadt mit dem Anspruch alles für die Bildung zu tun, ganz schnell verabschieden.
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