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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. August 2017 | 21:47 Uhr

Hut ab : Der Bauer und das liebe Vieh

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Manfred Illmann ist die gute Seele des Norddeutschen Kinderbauernhofes in Zietlitz – und hat immer neue Ideen

Gemeckert wird nicht. Auf jeden Fall nicht dann, wenn Bauer Illmann das Holztor des Geheges aufzieht und die Ziegen mit Kartoffeln und Broccoli füttert. „Das da oben, das ist der Chef“, sagt Manfred Illmann und zeigt auf den Bock mit den wuchtigen Hörnern und dem stattlichen Ziegenbart. Der Geißbock steht stolz auf einem Steinhaufen und kaut auf dem herum, was er gerade ergattert hat. Das hier ist sein Reich, der Kinderbauernhof in Zietlitz sein Zuhause. Ein Zuhause, das er sich mit rund 300 anderen Tieren teilt.

Hühner, Wachteln, Kaninchen, Wellensittiche, Meerschweinchen, Kamerunschafe oder die beiden Haflinger – sie alle sind an diesem Vormittag schon satt geworden. Manfred Illmann und zwei weitere Helfer haben die Frühstücks-Runde gemacht. Die Schweine und 50 Enten waren noch nicht dabei. „Die holen wir erst wieder in den kommenden Wochen“, weiß Manfred Illmann.

Als vor sieben Jahren der Kinderbauernhof nebst Verein als Außenstandort der Schweriner Bundesgartenschau in Zietlitz aus der Taufe gehoben wurde, da wurde auch ein geschenkter Wohnwagen angekarrt. Sein Interieur heute ist überschaubar. Zwei Tische, ein paar Stühle, ein Kühlschrank, ein Herd und ein Ofen, der für wohlige Wärme sorgt, während draußen ein scharfer Aprilwind pfeift. Hier wird gefrühstückt, Kaffee getrunken und etwas ausgeruht von der Arbeit, die es auf dem Bauernhof zur Genüge gibt. In den drei langen Folienzelten wurde das Unkraut gejätet, damit bald wieder Gurken und Tomaten gepflanzt werden können, die nach der Ernte auf den Tischen der Schweriner Kindertafel landen werden. Die neuen Sitzbänke für die Gäste sind in Arbeit und der Rohbau eines neues Taubenschlags schon fertig.

In der Mulde rechts hinten auf dem Gelände, gleich neben der Veranstaltungs-Rundscheune des Kinderbauernhofs, wird der Platz für die Brieftauben hergerichtet. Eine Treppe führt auf den Dachboden eines Nebengebäudes. Manfred Illmann steigt die Stufen langsam hinauf. Schnell geht es auch nicht, denn sein linkes Knie macht nicht mehr richtig mit. „Verschleiß“, sagt der 62-Jährige, der zudem nach einer Magenoperation nicht mehr so anpacken kann, wie er es gerne möchte. „Die Kraft hat abgenommen“, sagt Illmann, sein Elan, den Kinderbauernhof weiter am Leben zu erhalten, dagegen nicht. Die Grobspanplatten sind eingezogen, die Brutkästen installiert, die Voliere so gut wie fertig. „Hier haben wir viel Platz für die Brieftauben, die wir auch auf die Reise schicken wollen“, schaut die gute Seele und Geschäftsführer des Vereins schon in die Zukunft. Und andere Pläne sind auch schon herangereift. Eine Streuwiese mit Kirsch-, Pflaumen oder Apfelbäumen soll im Herbst entstehen und der betagte Wohnwagen soll auch mal eine neue Holzverkleidung bekommen.

Rund 1300 Gäste besuchen pro Jahr die Anlage, schauen sich die verschiedenen Haustierrassen an oder bekommen Einblicke, wie Obst und Gemüse angebaut oder Brote gebacken werden. Illmann, der gelernte Schlosser, der im Fernstudium noch seinen Ingenieur für Heizung, Lüftung und Sanitär und später zudem seinen Meister für Landwirtschaft machte, bekleidet jetzt eine von zwei Bundesfreiwilligendienst-Stellen auf dem Hof. Eigentlich geht seine Schicht von 7 bis 14 Uhr, doch sein Einsatz geht weit über diese Zeit hinaus. Und Geld steckt er auch in dieses Projekt, das sich durch die Beiträge der über 60 Vereinsmitglieder und von Spendengelder nur schwer finanzieren lässt. „Ich brauche keine Kreuzfahrten, gehe nicht groß shoppen. Mein Herzblut steckt in diesem Kinderbauernhof“, sagt der stellvertretende Bürgermeister von Sukow. Gefällt den Kindern der Besuch, dann ist auch Manfred Illmann zufrieden. „Das ist Lohn und Dank“, sagt er – und macht sich wieder an die Arbeit.

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