Schwerin : Der 300 000-Euro-Pavillon

So soll der Jugendtempel aussehen: Die von der Design-Schule erstellte Animation vermittelt einen Eindruck.
So soll der Jugendtempel aussehen: Die von der Design-Schule erstellte Animation vermittelt einen Eindruck.

„Jugendtempel“ im Schweriner Schlossgarten wird deutlich teurer / Fertigstellung noch für 2014 geplant

svz.de von
13. März 2014, 11:55 Uhr

Die einen kaufen sich für 300 000 Euro ein unterkellertes Einfamilienhaus mit Fußbodenheizung. Die Schweriner aber bauen sich für die gleiche Summe einen Pavillon im Schlossgarten. So teuer wird nach neuesten Berechnungen der fensterlose Unterstand, den Finanzministerin Heike Polzin (SPD) zur Hälfte bezahlen soll. Das sind elf Prozent mehr, als noch Anfang des Jahres im Gespräch waren.

Der Verein der Freunde des Schweriner Schlosses will Anfang April mit dem Bau beginnen, obwohl er seinen eigenen Anteil an den Finanzen noch nicht beisammen hat. Sonst droht die Baugenehmigung von 2010 zu verfallen.

Neun Meter im Durchmesser und neun Meter hoch soll der luftige Bau werden. Er wird auf einem Hügel stehen, auf dem sein erster Vorgänger vor knapp 180 Jahren von Wind und Wetter weggerafft wurde – wie spätere Nachfolgebauten auch. In alten Akten wird der Jugendtempel als „Glanz und Zierde“ beschrieben. Als „romantischer Treffpunkt“ soll er den Garten insgesamt aufwerten, sagt Irmela Grempler, die für das Projekt des Schlossvereins seit Jahren Spenden sammelt.

120 000 Euro hat sie bislang verbucht. 40 000 Euro davon sind Sachspenden, wobei Irmela Grempler dazu auch gesponserte Spendenwerbe-Maßnahmen rechnet. Für jeden Spenden-Euro, so hat es die Finanzministerin versprochen, gibt das Land einen oben drauf. Um die Hälfte des 300 000-Euro-Projekts stemmen zu können, fehlen dem Schlossverein also noch 30 000 Euro.

„Ich hätte es auch gern billiger gehabt“, sagt Irmela Grempler. Wichtigster Kostenfaktor ist offenbar die Statik. Ein reiner Holzpavillon, wie es das historische Vorbild war, würde die heutigen Normen nicht erfüllen. Der Jugendtempel bekommt ein Beton-Fundament, in das acht Stahlsäulen eingelassen und aufwändig mit runden Hölzern ummantelt werden. Damit das Dach nicht vom Wind weggeweht oder vom Schnee eingedrückt wird, wird es mit Pappe unterlegt und auf ein Bohlenbinder-Holzgerüst montiert, bevor es auf einem schweren Betonring über den Säulen gesetzt wird. Der Boden und die Stufen sind aus Postaer Sandstein.

Für Zimmerer und Holzarbeiten sind laut Grempler 78 000 Euro kalkuliert, für Beton und Stahlbeton 60 000. Sandstein und Betonwerkstein kosten voraussichtlich 65 000 Euro. Das Dach soll für 11 000 Euro gedeckt werden, für Putz- und Malerarbeiten erwartet Irmela Grempler Kosten in Höhe von 9000 Euro, für die Stahlsäulen 18 000 Euro. Wie hoch das Honorar für den Architekten ausfällt, verrät sie allerdings nicht.

Die Spendenbereitschaft zeige, dass viele Schweriner sich den Jugendtempel zurückwünschen, heißt es aus dem Finanzministerium. Die Rekonstruktion sei jedoch mit einem erheblichen Aufwand verbunden. „Auch wenn der Materialaufwand verhältnismäßig bescheiden anmutet, sind für die Bauausführung Fachkräfte vonnöten, die eben ihren Preis haben“, rechtfertigt ein Ministeriumssprecher die hohen Kosten.

Irmela Grempler hofft, dass die Schweriner noch in diesem Jahr zu „ihrem“ am Abend beleuchteten Jugendtempel lustwandeln können. Die weite Sicht entlang der historischen Sichtachsen bleibt ihnen jedoch verwehrt. Der Blick zum Schloss wird längst von hohen Bäumen verstellt. Weitere Angaben zum Jugendtempel sind zu finden unter www.Jugendtempel-Schwerin.de


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