zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

24. September 2017 | 07:08 Uhr

Sicherheit in Rastow : Den Ganoven einen Schritt voraus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sicherheitsberater Bernd Fritsch gibt Tipps, wie sich Senioren vor Delikten besser schützen können

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Das Telefon klingelt. „Rate mal, wer hier spricht“ kommt es aus dem anderen Ende der Leitung. Der Enkel? Er braucht Geld, hat Schwierigkeiten. Seine Stimme – anders als früher, aber es ist ja auch schon einige Zeit her, seit er sich bei Oma mal wieder gemeldet hat. Er braucht Hilfe. Also bekommt er das Bargeld, um das er bittet. Ein Bote kommt es abholen. Was ungewöhnlich klingt, kann bitterer Ernst werden, denn der angebliche Enkel ist ein Betrüger. Ihre bevorzugten Opfer: Senioren, denen sie mit dem Enkeltrick das Geld aus Tasche locken wollen.

„Man denkt zwar immer, mir passiert so etwas nicht. Aber die Trickbetrüger sind gut organisiert. Mit Aufmerksamkeit und ein paar Tricks kann man sich aber schützen“, erklärt Bernd Fritsch. Der 65-Jährige ist ehrenamtlicher Sicherheitsberater. Als ehemaliger Polizist mit der Erfahrung von 43 Dienstjahren ist er einer von rund 30 Ehrenamtlichen, die für das Präventionsprojekt des Landesseniorenbeirats und Landeskriminalamts in MV unterwegs sind.

Vor kurzem war der Experte im Kraaker Feuerwehrhaus auf Einladung des CDU-Gemeindeverband Lewitzrand und der Senioren-Union zu Gast. Er klärte Senioren über die Kriminalitätsrisiken im Alter auf.

Den wichtigsten Tipp bei Haustürgeschäften oder dubiosen Telefonanrufen: „Sagen Sie konsequent ,Nein’! Wir sind sehr höflich erzogen und trauen uns das manchmal nicht, aber wenn einem etwas eigenartig vorkommt, sollte man vorsichtig sein“, rät Fritsch, der an seine Zuhörer ebenfalls appelliert: „Melden Sie Betrugsanrufe oder Vorkommnisse an der Haustür der Polizei.“ Denn nur so könne den Ganoven das Handwerk gelegt werden. Allein der Anstieg von Betrugsfällen im Land von 302 auf 422 im Vergleich zwischen 2015 und 2016 zeigt, dass es vermehrt solche Fälle gibt, aber auch das Bewusstsein steigt, sie zu melden. Doch warum kommen die Betrüger immer wieder mit der Masche des Enkeltricks durch, will ein Zuhörer von Fritsch wissen. „Oft ist es die Einsamkeit, die in diese Fälle mit hineinspielen. Man freut sich einfach, dass der Enkel sich meldet“, so Fritsch.

Aber nicht nur der Enkeltrick ist ein beliebtes Mittel der „Ganoven“, sondern auch Haustürgeschäfte. Senioren sollten keine Verträge zu Hause abschließen, und damit die Betrüger ins eigene Heim lassen. Bernd Fritschs Tipp: „Legen Sie sich eine Überwurfkette an der Haustür zu. Damit haben Sie immer die Sicherheit, dass Sie keiner überrumpeln kann.“ 100 bis 120 Euro koste die Anschaffung. Und auch von dem berühmt berüchtigten Schuhkarton mit dem Ersparten unter der Matratze rät der Experte ab. „Werfen Sie den Ganoven nicht ihr sauer verdientes Geld in den Rachen.“ Ein Schließfach bei der Bank sei da sinnvoller. Beim Einkaufen sollte jeder seine Handtasche im Blick behalten, zum Kaffeetrinken am besten mit reduzierten Mengen an Wertsachen gehen und ein wachsamer Nachbar könne auch schon mal helfen.

In Kraak stand Fritsch den wissbegierigen Senioren rund eineinhalb Stunden zur Verfügung. Dabei appellierte er nicht nur an das Bauchgefühl der Teilnehmer, sondern auch an die Multiplikatorfunktion. „Erzählen Sie die Tipps weiter, bei der nächsten Kaffeerunde. Und wenn der Enkel anruft, und sie sind sich unsicher, dann legen sie auf. Der echte Enkel meldet sich noch einmal!“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen