Lebensgeschichte : Den ersten Kuss vergessen sie nie

Glücklich: Rosemarie und Anton Schwinkowski feierten Eiserne Hochzeit und sind Leser des Monats.
Glücklich: Rosemarie und Anton Schwinkowski feierten Eiserne Hochzeit und sind Leser des Monats.

Rosemarie und Anton Schinkowski sind seit 65 Jahren verheiratet und lesen schon fast genauso lange jeden Tag die SVZ

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02. November 2015, 12:00 Uhr

An ihren ersten Kuss erinnern sich Rosemarie und Anton Schinkowski noch, als wäre es gestern gewesen. Dabei ist dieser magische Moment fast 66 Jahre her – er passierte am 26. Januar 1950. Zwei Monate zuvor waren sich die beiden zum ersten Mal begegnet, Anton Schinkowski war gerade aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Liebe auf den ersten Blick. Seitdem sind die zwei ein Paar. Jetzt feierten sie Eiserne Hochzeit und erinnerten sich auch noch genau an den Tag vor 65 Jahren: Eine Hochzeit im Wintermantel, ohne Schleier, ohne Frack. Eine Gans von Freunden als Festbraten und einen halben Liter Schnaps gab es nach der Trauung auf dem Standesamt am Pfaffenteich. „Acht Monate nach der Hochzeitsnacht kamen unsere Zwillinge zur Welt“, sagt der Jubilar. Wer die beiden im liebevollen Umgang miteinander erlebt, der wünscht sich so auch seine eigene Zukunft. Anton Schinkowski wird in wenigen Tagen 92 Jahre alt, seine Frau ist sieben Jahre jünger. Beide sind ausgesprochen fit, auch wenn inzwischen morgens schon kurz eine Pflegerin vorbeikommt. Die SVZ gehört seit Sommer 1951 zum Alltag der Schinkowskis, die Geburtsanzeige ihrer Töchter vom 28. Juni desselben Jahres haben sie sogar noch aufbewahrt. Eine richtige Familie muss auch eine Zeitung abonnieren, finden sie. Das Zeitungsstudium ist bei ben beiden zu einem wunderschönen Ritual geworden: „Nach dem Mittagsschlaf gegen halb drei liest meine Frau mir immer aus der SVZ vor“, sagt Anton Schinkowski, der vor einigen Jahren erblindet ist. Was hört er am liebsten? „Zuerst das Wetter und dann einfach alles“, sagt Rosemarie Schinkowski lächelnd. „Sport, Politik, die Neuigkeiten aus Schwerin, unser Interesse ist ganz breit gefächert. Ich lese alle Überschriften vor und er entscheidet, ob er den ganzen Text hören möchte.“ Zur Lektüre gibt es einen Nachmittagskaffee - Idylle pur. Und was ist das Rezept für so lange währendes Eheglück? „Ich tue, was meine Frau sagt“, erklärt er. „Mein Mann ist mein Hobby“, sagt sie.

Von Beruf ist Anton Schinkowski übrigens Ökonom, viele Jahre arbeitete beim Bezirksbauamt. Rosemarie Schinkowski war ebenfalls in der Verwaltung beschäftigt, machte aber 14 Jahre Pause vom Job, um ganz für die Familie da zu sein. Ihrem Mann hielt sie damit unter anderem den Rücken frei für zwei große Hobbys: die polnische Sprache – „Ich habe alle großen polnischen Delegationen im Bezirk Schwerin begleitet und freiberuflich gedolmetscht, bis ich 75 war.“ – und die Postgeschichte. Die Sammlung umfasst mittlerweile Briefmarken und Briefumschläge aus sechs Jahrhunderten, sie wurde mehrfach in Schwerin gezeigt und bei der Weltausstellung in Prag mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet, erzählt der leidenschaftliche Philatelist. Sein ältester Brief stammt aus dem Jahr 1593, den hat ein reitender Bote damals ins Schloss gebracht.

Im Jahr 2012 bekam Anton Schinkowski die Ehrenurkunde der Stadt für sein gesellschaftliches Engagement für Schwerin. Am Freitagabend, nachdem viele Gäste dem Paar zur Eisernen Hochzeit gratuliert hatten, feierten sie dann im Familienkreis – mit knapp 30 Personen. Anton und Rosemarie Schinkowski können sich nämlich über drei Töchter, vier Enkel und fünf Urenkel freuen.

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