Kreisreform MV : Demontage eines Wissenschaftlers

Die Wappen der Landkreise und kreisfreien Städte in Mecklenburg-Vorpommern
Die Wappen der Landkreise und kreisfreien Städte in Mecklenburg-Vorpommern

Abgeordnete zerpflücken Berechnungen zur Kreisreform

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16. Dezember 2017, 06:30 Uhr

Welche Effekte hat die umstrittene Kreisreform von 2011 in Mecklenburg-Vorpommern gebracht? Der Greifswalder Wirtschaftsgeograf Helmut Klüter präsentierte vor gut einem Monat auf diese Frage eine beeindruckende Zahl: Den Berechnungen des Wissenschaftlers zufolge führte die Reform vor sechs Jahren im östlichen Landesteil zu Wachstumsverlusten in Höhe von mindestens 4,15 Milliarden Euro.

Für den Professor war klar: „Die Kreisgebietsreform hat das wirtschaftliche Gefälle zwischen dem Osten und dem Westen des Landes vergrößert.“ Klüter gilt auch außerhalb von MV als Experte für Regionalentwicklung – doch bei den Landtagsabgeordneten sorgten die Berechnungen des Professors gestern für großes Stirnrunzeln und heftige Diskussionen. Der Wissenschaftler wurde regelrecht demontiert.

Erhebliche Zweifel an den Thesen meldeten gleich mehrere Parlamentarier aus verschiedenen Fraktionen an. Auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) äußerte Bedenken an den Zahlen und Methoden des Wirtschaftsgeografen. Eine seriöse Aussage dazu, wie sich die östlichen Landesteile ohne Kreisgebietsreform wirtschaftlich entwickelt hätten, sei gar nicht möglich, erklärte Glawe. Vielmehr habe es der östliche Landesteil aufgrund seiner Randlage innerhalb Deutschlands besonders schwer.

Noch härter mit dem Wissenschaftler ging der CDU-Abgeordnete Wolfgang Waldmüller ins Gericht. Er unterstellte Klüter „statistische Taschenspielertricks“. Es sei wissenschaftlich abenteuerlich und unhaltbar, die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen östlichem und westlichem Landesteil allein auf die Kreisgebietsreform zurückzuführen. Andere mögliche Einflussfaktoren wie etwa das Russlandembargo seien völlig außer Acht gelassen worden. Auch würde der Westteil des Landes von der Metropolregion Hamburg profitieren. Im Osten des Landes fehle dagegen ein ähnlich starker Wirtschaftsmagnet.

Die wirtschaftliche Entwicklung im östlichen Landesteil mit den Landkreisen Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte ist aus Sicht des Wirtschaftsministers dennoch vorzeigbar. So sei dort das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in den vier Jahren vor der Reform um 6,2 Prozent gewachsen, in den vier Jahren danach um 9,4 Prozent. Außerdem seien fast zwei Drittel der Förderung für wirtschaftnahe Infrastruktur des Landes in den Jahren 2011 bis 2017 in den Landesosten geflossen.

„Der Mittelstand und das Handwerk in Vorpommern sind auf dem Vormarsch“, betonte Glawe. Auch im Tourismus liege die Region ganz weit vorne.



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