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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. Oktober 2017 | 04:33 Uhr

Hut ab : Demens Geschichte aufgespürt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Festschrift zum Dorfjubiläum entsteht: Edeltraut Scheel-Fuhlendorf und ihre Mitstreiter trugen Fakten und Erlebnisse zusammen

von
erstellt am 06.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Da gabs kein Zaudern und kein Zögern. Edeltraut Scheel-Fuhlendorf hat sofort Ja gesagt, als im Dorf Mitstreiter gesucht wurden, die zum Dorfjubiläum Demens eine Chronik zusammenstellen sollten. Im Mai wird die Gemeinde 750 Jahre alt.

„Ich kann mich noch ganz gut an die 700-Jahr-Feier von 1965 erinnern“, erzählt die Demenerin und gerät ins Schwärmen. Zehn Jahre war sie damals alt. Sie hat im Haus ihrer Eltern gewohnt, in dem die 59-Jährige heute mit ihrer Familie lebt. „Das war damals ein tolles Fest. Vor allem der Umzug. Da waren Frauen in Mecklenburger Trachten zu sehen, Männer in Ritterkostümen. Mein Vater trug auch eins. Und für uns Kinder gab es allerlei zu entdecken. Ich weiß noch, dass ich unheimlich gern Kettenkarussell gefahren bin. Von oben herab hatte ich einen guten Überblick über das Geschehen auf dem Festplatz. Ich wollte meinen Vater in dem Festgetümmel suchen, entdeckte ihn aber gar nicht – es waren zu viele Eindrücke auf einmal.“

Diese Kindheitserinnerungen waren es, die sie dazu bewogen haben, jetzt bei der Vorbereitung dieses Jubiläums zu helfen. Und vielleicht, so hofft Edeltraut Scheel-Fuhlendorf, machen bei der Festwoche im Mai einige Kinder ähnlich schöne Erlebnisse wie sie vor 50 Jahren. Und wie es ausschaut, will die Demenerin beim Festumzug anno 2015 wieder mitlaufen – diesmal mit ihrem Mann.

Aber schon jetzt beschäftigt sie sich intensiv mit dem Dorfjubiläum. Sie arbeitet mit einem kleinen Team – Ute Kohls, Gerda Vogt, Bärbel Günther und Wilfried Lüders – an der Dorfgeschichte. Ganz von vorn anfangen müssen sie nicht. Denn schon zur 700-Jahrfeier wurde eine Festschrift herausgebracht. Und eine solche wird es auch diesmal geben. Als Chronik möchten die Demener ihre Arbeit nicht verstanden wissen. Edeltraut Scheel-Fuhlendorf: „Das ist uns zu hoch gegriffen. Eine Chronik sollte eigentlich wissenschaftlich unterlegt sein. Den Anspruch haben wir nicht, das können wir gar nicht leisten.“

Die Frauen und ihr einziger männlicher Mitstreiter aus Kobande haben trotzdem viel Material zusammengetragen, unter anderem aus dem Landeshauptarchiv in Schwerin. „Wir haben auch mit Zeitzeugen wie Grete Mügge, Paul-Friedrich Ahrens und Lotte Repka gesprochen. Sie gehören zu den ältesten Einwohnern im Dorf und konnten uns noch vieles aus eigenem Erleben erzählen“, freut sich Edeltraut Scheel-Fuhlendorf. Abgedeckt werden Themenbereiche wie Gemeinde, Schule, Landwirtschaft, Kaserne und Umgebung.

Die Recherche selbst ist für die 59-Jährige kein Problem. Damit hat sie auch beruflich zu tun. Denn die Demenerin, von Hause aus Meisterin der Rinderzucht, hat nach der Wende zuerst als Fernschreiberin bei der Bundeswehr in Demen gearbeitet. Als diese das Dorf verlassen hatte, fand sie in der Außenstelle Görslow der Behörde für Stasi-Unterlagen eine Anstellung. Sie macht dort Kartei- und Recherchedienst, bereitet für Antragsteller die Akteneinsicht vor.

Im Moment haben Edeltraut Scheel-Fuhlendorf und ihrer Mitstreiter alle Hände voll zu tun. Die Festschrift soll demnächst in Druck gehen. Daher ist Eile geboten. Zur Festwoche ab dem 26. Mai soll sie vorliegen. 1000 Exemplare sind geplant. Demener, aber auch andere Interessierte können sie dann erwerben. Die Chronik, pardon die Festschrift, soll gleich neben der Dorfbibliothek in einer Heimatstube ihren gebührenden Platz finden. Den Raum haben Edeltraut Scheel-Fuhrendorf, ihr Mann und ihr Cousin schon mal gemalert. Demnächst soll er noch passend eingerichtet werden.

Dass es mit der Festschrift überhaupt klappt, sei auch der Bürgermeisterin Heidrun Sprenger zuzuschreiben, meint die 59-Jährige. Vom Vorgänger habe es keine Unterstützung gegeben.

 

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