zur Navigation springen

Naturforscher unterwegs : Dem Laufkäfer auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jugendbund für Naturbeobachtung trifft sich zum Deutschland-Kongress mit Workshops, Vorträgen und Stadt-Exkursionen in Schwerin

Sie sind oft mit Fernglas, Becherlupe und Bestimmungsbuch unterwegs und bleiben lange stehen, wo andere achtlos vorbeigehen. Eine Wespe ist für sie kein Kaffeetafel-Feind, sondern ein interessantes Beobachtungsobjekt. In Schwerin interessieren sie sich nicht so sehr für das Residenzensemble und seine Prachtbauten, sondern für die Pflanzen und Tiere, die dort leben. Für das Unkraut und die Spatzen, für die Waschbären, Enten und die Käfer. Die Rede ist von etwa 40 Jugendlichen aus ganz Deutschland, die zum „Deutschen Jugendbund für Naturbeobachtung“ gehören und ihre Osterferien in Schwerin verbringen. Hier treffen sie sich zum Kongress – mit Exkursionen, Workshops, Vorträgen und der Jahreshauptversammlung, bei der auch ein neuer Bundesvorstand gewählt wird. Quartier gemacht haben die Besucher in der Freien Waldorfschule in der Schlossgartenallee 57. Hier werden sie auch gemeinsam Ostern feiern – mit selbst bemalten und versteckten Eiern und selbst gebackenen Hefezöpfen.

„Was wir nicht kennen, können wir nicht schützen“, lautet das Motto des kleinen, rund 60 Jahre alten Umweltvereins, der auch das basisdemokratische Prinzip „von Jugendlichen für Jugendliche“ mit Leben zu erfüllen sucht. Die Mitglieder dürfen höchstens 25 Jahre alt sein, dann werden sie freundlich, aber bestimmt aus dem aktiven Vereinsleben verabschiedet. Es gibt zwar einen Hauptvorstand, der aber nur grob bestimmt, wo es langgeht. Ansonsten darf jeder Seminare und Workshops anbieten, Vorträge halten oder kleine Lehreinheiten geben, wenn er sich bei einem Thema besonders kompetent fühlt und andere mit seiner Begeisterung anstecken möchte. „Der Verein lebt davon, dass sich die Leute einbringen“, sagt Kerstin Pierick aus Göttingen, die als Biologiestudentin schon zu den Seniorinnen gehört. „Junge Leute können Gleichaltrigen die Natur oftmals besser erklären, weil sie wissen, welches Drumherum uns interessiert“, ergänzt Selina Kummetz aus Wismar. Dort gibt es zwar keine reguläre Ortsgruppe des DJN, aber bei den Seminaren, Workshops und Ferienfreizeiten in ganz Deutschland macht sie gerne mit. In diesem Jahr geht es beispielsweise im Juli nach Hallig Hooge ins Watt und zu Pfingsten auf Wildkräutertour in die Uckermark. Sechs Euro werden dafür pro Kopf und Tag inklusive Kost und Logis zumeist berechnet.

Die Jugendlichen planen diese Treffen selbst – die Möglichkeit, das eigene Organisationstalent auszuloten, reizt viele an der Mitgliedschaft.

Auch die Bestimmungsbüchern, im Fachjargon „Schlüssel“ genannt, die ehemalige Mitglieder erarbeitet haben, genießen deutschlandweit und in Expertenkreisen hohes Ansehen. Den „Laufkäferschlüssel“ oder dem Molluskenschlüssel“ haben die Naturbeobachter auch in Schwerin dabei. Hier haben sie sich als Schwerpunktthema die Stadtökologie ausgesucht. Da viele Mitstreiter erst am Donnerstag Osterferien bekommen, begann der Kongress mit rund zehn Teilnehmern, darunter auch die Freiburger Gruppe, die sich hier rein jahreszeitentechnisch zwei Wochen zurückversetzt fühlt. Denn im äußersten Südwesten der Republik herrscht schon längst T-Shirt-Wetter.

Eine Ortsgruppe der Naturbeobachter gibt es in Schwerin übrigens auch noch nicht. Wer aber Lust hat, mit den Jugendlichen aus ganz Deutschland den „Kescher mal in den Wind zu hängen“, wie es Selina formuliert, und Urlaub mit Bestimmungsbuch zu machen, der ist bis Montag herzlich eingeladen, in der Waldorfschule in der Schlossgartenallee vorbeizukommen und Kontakt zu knüpfen. Am bestens abends oder zur Frühstückszeit.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Apr.2014 | 23:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen