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Sportartikel-Händler will nach Schwerin : Decathlon-Ansiedlung bleibt strittig

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"Wir würden gern 2013 unseren Markt in der Landeshauptstadt eröffnen", sagt Felix Cieplik vom französischen Sportartikelhändler Decathlon. Doch die Einzelhändler in Schwerin und Umgebung haben ihre Bedenken.

svz.de von
erstellt am 16.Okt.2012 | 08:41 Uhr

Schwerin | "Wir würden gern 2013 unseren Markt in der Landeshauptstadt eröffnen", sagte Felix Cieplik, der Entwicklungs-Manager des französischen Sportartikelhändlers Decathlon für Mecklenburg-Vorpommern während einer Diskussionsrunde bei der IHK. "Das hängt aber davon ab, wie das Genehmigungsverfahren für den Bebauungsplan läuft."

Dafür ist zwar die Stadtverwaltung zuständig, aber die Sportartikel-Einzelhändler in Schwerin und Umgebung haben ihre Bedenken. Denn ein Gutachten zu den Auswirkungen der Ansiedlung des Großanbieters prognostiziert ihnen mögliche Umsatzeinbußen von etwa zehn Prozent. Die Forderung deshalb bei der IHK-Diskussion: Der B-Plan soll wenigstens die Verkaufsflächen für die einzelnen Sortimente festschreiben. "Und die Sortimentseinhaltung muss ständig überprüft werden", so Irmtraud Kunkel, Referentin im Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung.

Stadtplaner Andreas Thiele kann sich das gut vorstellen. Sein Chef, Baudezernent Wolfram Friedersdorff, hat dagegen Bedenken. "Wir können keinen Wettbewerbsschutz gewähren. Außerdem müssten die Festsetzungen kontrolliert werden. Das kann die Stadtverwaltung nicht leisten." Und auch Stadtvertreter André Harder (SPD), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, war dagegen. "Bisher hat uns Flexibilität in der Stadt noch immer geholfen."

Merkwürdig kamen den Einzelhändlern auch die Grundlagen des Gutachtens vor. So stammt das Einzelhandelskonzept der Stadt aus dem Jahr 2004. "Üblicherweise werden solche Konzepte nach fünf bis sechs Jahren fortgeschrieben", musste selbst Gutachter Uwe Seidel zugeben. "Das will die Stadt aber wohl erst demnächst machen." Dadurch entsteht allerdings das Problem, dass das zukünftige Einzelhandelsgebiet im Haselholz zwischen Mettenheimer Straße und Umgehungsstraße bisher gar nicht ausgewiesen ist. Im Gegenteil: "Ein Gutachten aus dem Jahr 2006 besagt, dass es in Schwerin keine Ansiedlungsspielräume mehr gibt", so Tino Beig vom Einzelhandelsverband Nord. Auch er versicherte aber, dass es nicht um die Verhinderung der Decathlon-Ansiedlung und damit um die Verhinderung von Wettbewerb gehe. Der aber wird die bereits ansässigen Sportartikelhändler auf jeden Fall treffen. "Künftig werden sich nicht mehr alle Nebenlagen bespielen lassen", sagte Uwe Seidel. "Wenn aber der Sporteinzelhandel in der Innenstadt wegbricht, können die Läden sofort nachvermietet werden."

Im Klartext: Der einzelne Sportartikelanbieter ist für die Gutachter gar nicht relevant. Es geht allein um die Lebendigkeit der Innenstadt. Grundlage für das Gutachten war daher auch die so genannte Baunutzungsverordnung. Nach der blieben der Margaretenhof und das Sieben-Seen-Center aber gänzlich unbeachtet. "Laut Gesetz haben diese Standorte kein Schutzbedürfnis", so Uwe Seidel. Was bei Bernd-Dieter Kather, Fahrradhändler am Margaretenhof auf Unverständnis stieß. "Besser wäre es, wenn die bestehenden Center gestärkt würden, bevor etwas Neues aufgemacht wird."

Doch das wird wohl ein Wunsch bleiben. Die Stadt will im Haselholz auf insgesamt 21 300 Quadratmetern nicht nur Decathlon, sondern auch einen Baumarkt, einen Möbelmarkt und einen Fachmarkt für Bürotechnik ansiedeln. Dazu kleinere Anbieter wie ein Fitness-Center. Bis auf den Sportartikel-Anbieter haben alle keinen Einfluss auf die Schweriner City. "Und selbst wenn Decathlon den Innenstadt-Umsatz um 50 Prozent beeinflussen würde, wäre das noch kein Grund, die Ansiedlung zu versagen", so Gutachter Uwe Seidel. So ist es keine Frage mehr, ob Decathlon kommt, sondern nur noch wann.

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