Institut für Diktatur-Folgen-Beratung in Schwerin : DDR-Unrecht: Opfer leiden bis heute

Hilft Opfern von DDR-Unrecht: Hartmut Storrer ist Geschäftsführer des Institut für Diktatur -Folgen-Beratung in Schwerin. Reinhard Klawitter
Hilft Opfern von DDR-Unrecht: Hartmut Storrer ist Geschäftsführer des Institut für Diktatur -Folgen-Beratung in Schwerin. Reinhard Klawitter

Das Trauma sitzt tief: Mehr als 20 Jahre nach dem Ende des SED-Regimes leiden viele noch immer unter der einstigen Verfolgung durch die Staatssicherheit. Das Institut für Diktatur-Folgen-Beratung unterstützt Betroffene.

von
13. September 2012, 10:14 Uhr

Schwerin | Das Trauma sitzt tief: Auch mehr als 20 Jahre nach dem Ende des SED-Regimes leidet eine Schwerinerin noch immer unter der einstigen Verfolgung durch die Staatssicherheit, die die Familie wegen verbotener West-Kontakte unter Druck gesetzt hatte. Ihre Tochter suchte deshalb Hilfe beim "Institut für Diktatur-Folgen-Beratung" in der Mecklenburgstraße 38. Die Einrichtung, vor knapp einem Jahr ins Leben gerufen und angesiedelt bei der Caritas Mecklenburg, ist Träger eines Netzwerks der Psychosozialen Beratung für Menschen, die in der DDR bzw. Sowjetischen Besatzungszone staatlichem Unrecht ausgesetzt waren.

"Wir kümmern uns um Bürger, die mit den damaligen Behörden auf eine Art und Weise in Kontakt gekommen sind, dass sie bis heute darunter leiden", erklärt Institutsgeschäftsführer Hartmut Storrer. Dabei sei es durchaus kein Zufall, dass sich auch Angehörige der nachfolgenden Generation an das Institut wenden, um ihren Eltern zu helfen. Hafter fahrungen und das Erlebnis der politischen Verfolgung begleiteten viele Betroffene bis heute - Tag und Nacht.

An insgesamt sieben Orten in den neuen Bundes ländern - in Schwerin, Rostock, Rambow (Waren/Müritz), Zwi ckau, Erfurt, Magdeburg und Dresden - gibt es unter dem Dach des Ins tituts speziell ausgebildete Berater, die den Opfern beistehen. "Wir führen Entlastungsgespräche, die den Betroffenen helfen sollen, die Erfahrungen von Gefängnis und Willkür zu verarbeiten, sie aber auch auf andere Gedanken bringen ", erklärt Storrer. Mehr als 200 Klienten habe das Institut für Diktatur-Folgen-Beratung innerhalb eines Jahres so schon unterstützen können.

Das neu geschaffene Institut, an dessen Spitze Prof. Dr. Thomas Hoppe von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg als Vorsitzender und ein Institutsrat stehen, fing jedoch nicht bei Null an. Vor mehr als zehn Jahren bereits hatte eine ökumenische Projektgruppe damit begonnen, an mehreren Orten der ehemaligen DDR eine psychologische Beratung aufzubauen, wie Hartmut Storrer betont. In einem Grußwort zur Institutsgründung hatte Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) dieses Engagement gewürdigt. "Bis zum heutigen Tag leiden viele Betroffene immer noch unter den Folgen der Haft", so auch Kuders Einschätzung. Um so wichtiger sei die Aufarbeitung der Geschehnisse, zu der das Institut für Dikta tur-Folgen-Beratung einen wesentlichen Beitrag leiste.

Freilich gäbe es auch Fälle, an denen das Institut an seine Grenzen stoße, sagt Hartmut Storrer. Er denkt an einen Mann, der einst mit seinem Lkw über die Grenze flüchten wollte, dessen Pläne aber aufflogen. "Der Mann kam ins Gefängnis, seine Biografie wurde zerstört. Bis heute treibt ihn nur eine Frage um: Wer hat mich damals verraten?" Die seelischen Verletzungen zu verstehen und aufzuarbeiten, die Betroffenen mit ihren psychischen und sozialen Problemen nicht alleine zu lassen, darin sieht Hartmut Storrer die Hauptaufgabe des Instituts für Diktatur-Folgen-Beratung. "Für die juristische Rehabilitierung und die Opferrente sind andere Institutionen zuständig."

"(Wie) Ist Heilung von Erinnerung möglich?" Um diese Frage geht es auch bei einem Fachtag, zu dem das Institut für Diktatur-Folgen-Beratung gemeinsam mit der Bundesstiftung Aufarbeitung am 13. November in die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg einlädt. Informationen zur Tagung und zum Institut und gibt es bei der Caritas unter der Telefonnummer 03 85-591 79 20.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen