Schwerin : Dauerstreik im Sky-Center

Das Logo des Pay-TV-Senders Sky
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Unternehmen lehnt Tarifvertrag kategorisch ab. Droht jetzt der längste Ausstand in der Geschichte der Region?

svz.de von
06. November 2015, 21:00 Uhr

Sieben Tage Dauerstreik bei einem der größten Arbeitgeber in Westmecklenburg, ein Ende des Tarifstreiks um den Abschluss eines Haustarifs ist nicht in Sicht: Der Tarifkonflikt im Deutschland-Servicecenter des Bezahlsenders Sky in Schwerin droht zu einem der längsten in der Region zu werden. Etwa 200 der 720 Beschäftigten haben sich an dem Ausstand beteiligt. Gestern sei der unbefristete Streik zunächst unterbrochen worden, ohne ein Angebot der Arbeitgeber werde er in den kommenden Tagen aber fortgesetzt, kündigte Dieter Altmann, Fachbereichsleiter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, an. Bislang habe das Unternehmen alle Gesprächsangebote abgelehnt.

Das wird vorerst so bleiben: Sky gibt sich in Schwerin gern als fairer Partner der Belegschaft – als Mitglied der Zukunftsmacher in MV, als vom Bundesarbeitsministerium ausgezeichnetes „Unternehmen mit Weitblick“, als Mitglied der Telemarketinginitiative MV und damit der Vereinigung der Unternehmensverbände, die sich im Bündnis für Arbeit für eine höhere Tarifbindung stark macht. Doch im eigenen Unternehmen bleibt Sky hart: Es werde keine Tarifgespräche mit Verdi geben, lehnte Sky-Sprecher Axel Rakette gestern kategorisch Tarifverträge ab. Verdi könne „kein sinnvoller Partner sein, wenn es darum geht, interne Angelegenheiten zu verhandeln“. Außerdem schließe Verdi nicht einmal selbst für die eigenen Mitarbeiter Tarifverträge ab. Stattdessen habe Sky mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung über eine neue Vergütungsverordnung geschlossen – „eine rechtlich zulässige“ Alternative zum Tarifvertrag, erklärte Rakette. Danach würden die Einkommen für die 720 Beschäftigten ab November um durchschnittlich „mehr als zehn Prozent“ steigen – durch höhere Grund- sowie variable Vergütungen und neue oder erweiterte Zuschläge für Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit.

Allerdings: Die von Sky den Beschäftigten zugestandene Erhöhung der Grundvergütung für die unterste Lohngruppe macht unterm Strich gerade 26 Cent je Stunde aus – von 8,50 auf 8,76 Euro, bei einer, wie Verdi berichtet, lediglich auf 30 Wochenstunden begrenzten Arbeitszeit. Dennoch spricht Sky von einem fairen Umgang. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren mehr als 700 Jobs geschaffen und vor allem Frauen und Älteren eine neue berufliche Perspektive gegeben.

Grundlöhne knapp über Mindestlohnniveau, gleichzeitig, so wird berichtet, seien die Einkommen für Teamleiter sogar stärker gestiegen als ursprünglich von der Gewerkschaft gefordert. „Betriebsinterna“, lehnte Rakette jeglichen Kommentar darüber ab. Auch wenn Arbeitgeberverbände in MV eine höhere Tarifbindung forderten, es sei „nicht ungewöhnlich, dass Verbandsmitglieder ... gelegentlich eine andere Auffassung vertreten“ würden.

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