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Pflegeheim Güstrow : „Das war alles sehr würdelos“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Angehörige über Zustände in Güstrower Pflegeheim

von
erstellt am 29.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Wegen schwerer Missstände will der Landkreis Rostock drei Pflegeeinrichtungen eines Unternehmens in Güstrow und Krakow am See schließen lassen und hat die Räumung angeordnet. Gestern wurden Einzelheiten aus den Einrichtungen bekannt. Elke Schmidt* wird heute noch wütend, wenn sie daran denkt, unter welchen Bedingungen ihre schwerkranke Mutter in der Einrichtung in Krakow am See untergebracht war. „Wir mussten sie dort herausholen, es ging absolut nicht“, erzählte sie gestern unserer Redaktion.

Ihre Mutter litt, bis sie im Oktober 2014 verstarb, an ALS, einer chronisch-degenerativen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die Frau war schwerst pflegebedürftig, konnte sich ohne Hilfe nicht bewegen. Die Familie wollte die Mutter vier Wochen in Pflege geben, weil sie selbst einmal Urlaub brauchte. „Im Januar 2014 wurde uns das Unternehmen vom Schweriner Klinikum empfohlen“, sagte die Tochter.

Die erste Unterkunft in Güstrow war zwar sauber, aber für die notwendige Pflege völlig ungeeignet. „Das Gebäude auf einem Hof ähnelte einer großen ausgebauten Garage“, erinnerte sich Frau Schmidt. Außerdem war das Haus nicht barrierefrei. Im Raum vor der Küche habe ein Patient im Wachkoma gelegen.

Die Tochter bestand damals darauf, dass ihre Mutter, die bis zu ihrem Tod bei klarem Verstand war, in einem menschenwürdigeren Heim unterkommt.

Ihnen wurde eine andere Einrichtung des Unternehmens in Krakow am See angeboten. „Das Gebäude war moderner, aber meine Mutter bekam ein Durchgangszimmer nur mit einem Bett und einem Schrank.“ Für die Versorgung habe es viel zu wenig Pflegekräfte gegeben. Die hätten auch meistens einen völlig unmotivierten Eindruck auf die Familie gemacht. Auch diese Einrichtung sei nicht barrierefrei und als Pflegeeinrichtung völlig ungeeignet gewesen. Die Schmidts haben ihre Mutter vorzeitig wieder nach Hause geholt.

Peter-Michael Diestel ist der Anwalt von Ani Sargsyan, der Betreiberin. „Mir ist der Einzelfall nicht bekannt, darum kann ich dazu nichts sagen“, so der Rechtsanwalt. Er frage sich aber, warum die Familie damals nicht mit ihren Beschwerden über die Zustände zu seiner Mandantin gegangen sei. „Das sind wir“, konterte Elke Schmidt, „es hat aber nichts genützt“. Die Mutter sei von der Betreiberin in dem Gespräch als nicht zurechnungsfähig dargestellt worden. Was nicht stimmte. „Das war alles sehr würdelos“, sagte Frau Schmidt.

*Name geändert

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