Stahlbeton soll helfen : Das Schloss auf Stelzen

Risse in der Decke wie hier im Gang über der Schlosskirche zeigen, wo sich das Schloss „setzte“. Erst im Jahr 2011 wurde die Nachgründung des Historismus-Baus mit modernen Kleinbohrpfählen aus Stahlbeton abgeschlossen.
1 von 2
Risse in der Decke wie hier im Gang über der Schlosskirche zeigen, wo sich das Schloss „setzte“. Erst im Jahr 2011 wurde die Nachgründung des Historismus-Baus mit modernen Kleinbohrpfählen aus Stahlbeton abgeschlossen.

SVZ-Schloss-Serie schaut heute in den Jahrhunderte alten Untergrund des historischen Prachtbaus am Burgsee

svz.de von
04. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Das Schweriner Schloss wird zum Großteil von hunderten Pfählen getragen – die jüngsten sind moderne Kleinbohrpfähle aus Stahlbeton. Sie wurden in den Jahren von 2001 bis 2011 unter das Historismus-Bauwerk getrieben und stabilisieren seitdem das Gebäude. 35 dieser Stahlbetonpfähle stützen beispielsweise den hohen und mit zu den schwersten Gebäudeteilen zählenden Hauptturm. Noch heute befindet sich der Großteil der Pfahlkonstruktion unterhalb des Grundwasserspiegels, wie es in der Broschüre „Die Fundamente im Schloss Schwerin“ des Landtages beschrieben wird. Der Unterbau ist teilweise „schwimmend“ gebaut, das heißt, die Pfähle setzen nicht bis auf den tragfähigen, aus der Eiszeit stammenden Sandrücken der Schlossinsel auf. Beispielsweise trägt eine Art Floßkonstruktion die dem Schweriner See zugewandte Seite des Langen Hauses. Genaue Aufzeichnungen über Anordnung, Anzahl und Material aller Pfähle, die zum Teil bis zu 15 Meter lang sind, fehlen.

Schon im zehnten Jahrhundert ist an der Stelle des Schlosses ein slawischer Fürstensitz nachgewiesen. Die damalige Slawenburg war auf hölzernen Füßen erbaut worden, die der Insel Halt geben sollten. Zu diesem Zeitpunkt wurden besonders Erle und Eiche verwendet. Funde aus dem Keller des Bischofshauses erzählen von solchen Bauaktivitäten. Als sich Slawenfürst Niklot, dessen Reiterstatue heute vom Schloss aus auf Schwerin herabblickt, des Ansturms der Truppen von Heinrich dem Löwen nicht mehr erwehren konnte, ließ er die Burg niederbrennen. Von den Eroberern wurden weitere Erlen- und Eichenholzkonstruktionen für die Stabilität der Nachfolgeburg in den Boden getrieben.

In der Zeit der Regentschaft von Herzog Magnus II. von 1477 bis 1503 begann eine rege Bautätigkeit auf der Burginsel, die alte Burg wurde zum Schloss ausgebaut. Zu der Zeit entstand mit dem Bischofshaus der erste Steinbau. Das Bischofshaus, das Neue Lange Haus, das Haus über der Schlosskirche und das Haus über der Schlossküche stehen noch immer auf Fundamenten der alten Burg.

Sein heutiges Aussehen bekam das Schloss während des großen Schlossumbaus in den Jahren 1845 bis 57 unter der Leitung von Hofbaumeisters Georg Adolph Demmler und unter Mitwirkung von August Stüler und Gottfried Semper. Die Fundamente unter dem Neuen Langen Haus und der Schlosskirche wurden durch nach unten gewölbte Ziegelsteinbögen verstärkt. „Größtenteils wurden die Neubauten auf Gründungskonstruktionen aus hölzernen Pfählen und Schwellen mit Findlings-Fundamenten gesetzt“, heißt es in der Broschüre. Demmler ließ Kiefernholzpfähle mit bis zu 35 Zentimeter Durchmesser in den Boden rammen. Heute verstärken die Stahlbetonpfähle den Unterbau und sorgen dafür, dass das Schloss im Gleichgewicht bleibt. Ein ständiger Kampf, denn bis heute tauchen immer wieder Risse im Schloss auf. Die Gebäudeteile arbeiten weiter auf dem Untergrund und müssen sich erst „setzen“, also an die Konstruktion gewöhnen. Das kann laut Landtagssprecher Dirk Lange noch einige Jahre dauern, bis dieser Prozess abgeschlossen ist.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen