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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 15:09 Uhr

Touristen : „Das Schloss allein reicht nicht“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neue Marketingstrategie für Schwerin: Studentin setzt auf Fünf-Sterne-Touristen, die Events, exzellentes Essen und tolle Hotels wollen

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 21:00 Uhr

Das Schloss ist eine schöne Nebenkulisse, aber kein Grund für Touristen, in Schwerin länger als ein paar Stunden Station zu machen. Urlauber, vor allem die besser betuchten, wollen Spaß haben in einer schönen Stadt, gut essen und vor allem gut übernachten – das sagt jedenfalls Irene Wiens. Die gebürtige Russin lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland, hat am Baltic College Marketing und Management im Tourismus studiert. Für ihre Masterarbeit „Neuinszenierung der Landeshauptstadt Schwerin im Tourismus unter Einbeziehung des Landes MV“ hat sie rund 100 Menschen in Führungspositionen aus ganz Europa eingeladen und sie nach ihrer Meinung über das touristische Angebot hier befragt. Ein Resultat: Schwerin hat Potenzial, schöpft das aber kaum aus.

Irene Wiens war lange Zeit in Berlin zu Hause, hat dort ihr Diplom als Wirtschaftsjuristin gemacht, im Verkauf in der Luxusbranche gearbeitet und ist viel gereist. Schwerin war für sie allerdings immer ein weißer Fleck auf der Landkarte. Ein Grund: Die kleinste Landeshauptstadt der Republik werde nicht effektiv genug beworben, ist nicht bekannt. Und: Ein Märchenschloss reicht nicht. „Neue Studien zeigen, dass deutsche Touristen im eigenen Land nicht in erster Linie auf Besichtigungstour gehen möchten, das machen hier eher die ausländischen Gäste“, sagt Irene Wiens. „Touristen wollen tolle Erlebnisse in einer Stadt, sie wollen Gleichgesinnte kennen lernen und auch eine entspannte Zeit in ihrem Hotel verbringen. Das ist keine Verwahranstalt für die Nacht.“ Und genau da hake es in Schwerin. Fünf-Sterne-Hotels gibt es gar nicht, in den anderen Unterkünften seien meist die Zimmer zu klein für gehobene Ansprüche und der Service oft bedenklich. Irene Wiens berichtet von Mitarbeitern an der Rezeption, die sich wegdrehen, wenn Gäste kommen, oder von Champagnerflaschen, die ungekühlt aufs Zimmer gebracht und ungeöffnet stehen gelassen werden. Das Essen sei sowohl in den Hotels als auch in den Gaststätten eher uninspiriert und oftmals einfach schlecht – jedenfalls kein Grund, um nach Schwerin zu kommen. Irene Wiens hat versuchsweise in einigen Hotels das Essen umgestellt, spezielle Zimmer bestellt und ein besonderes Programm organisiert – schon seien die internationalen Gäste hochzufrieden gewesen. Mögliche „Events“ seien z.B. Theaterführungen für einen exklusiven Kreis mit anschließendem Essen mit Künstlern oder Live-Popart im Museum. „Finanziert werden kann so etwas über erstklassige Sponsoren, die ihren Kunden etwas Besonderes bieten wollen“, sagt Irene Wiens, die diese Vorgehensweise aus langjähriger Erfahrung kennt. Und fest daran glaubt: Schwerin muss es schaffen, betuchte Touristen anzulocken. Denn nur die brächten genug Geld in die Kassen und sorgten gleichzeitig für einen guten Ruf der Stadt. Und wo die High Society Urlaub macht, möchte auch Otto Normalverbraucher mal hin. Wiens glaubt, dass in Schwerin die Verweildauer bei interessanten Angeboten und schönen Hotels von aktuell 1,8 auf 2,5 Tage steigen kann. „Wünschenswert wäre, dass die Akteure in der Stadt besser zusammenarbeiten und einen Tourismusdirektor einstellen, der internationale Erfahrung mitbringt und eine klare Linie vorgibt.“ Städte wie Heidelberg hätten das längst erfolgreich vorgemacht.

Für ihre Masterarbeit hat Irene Wiens schon eine Note bekommen: eine glatte Eins.

 

 

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