Schwerin : Das Schleifmühle-Museum 2.0

Bald ohne Wasser: Wenn die gegenüberliegende Brücke saniert wird, bleibt die Mühle trocken – sehr zum Ärger der Mitstreiter im kommenden Jahr auch zur Hoch-Zeit der Touristen.
Bald ohne Wasser: Wenn die gegenüberliegende Brücke saniert wird, bleibt die Mühle trocken – sehr zum Ärger der Mitstreiter im kommenden Jahr auch zur Hoch-Zeit der Touristen.

Stadtgeschichts- und -museumsverein gestaltet einmalige Schauanlage bis Ende nächsten Jahres um und setzt auf moderne Technik

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07. September 2015, 12:00 Uhr

Wenn der Aaacher Uni-Professor recht hat, dann steht Europas einzige Schleifmühlen-Schauanlage im Schweriner Schlossgarten. Und damit sich dieses Alleinstellungsmerkmal noch besser vermarkten lässt, hat der rührige Träger, der Stadtgeschichts- und -museumsverein, sich eine Menge einfallen lassen. Eine der Schleifmühle gegenüberliegende Fläche konnte erstmals für Veranstaltungen mitgenutzt werden. Die Reihe „Kleinkunst in der Mühle“ und Ausstellungen wie die aktuelle von Gerhart Illner sowie diverse Veranstaltungen wie jüngst das Benefizkonzert mit der Schweriner Band „Reel“ bringen auch Besucher außerhalb der Kernsaison der Schleifmühle. Hinzu kommen die „Historischen Abende“ im Schleswig-Holstein-Haus. „Das schlägt sich auch schon in den Zahlen nieder“, sagt stolz Vereinsvorsitzender Ludwig Rehberg. „Wir werden in dieser Saison die bisherige Besuchermarke von 8000 deutlich übertreffen. Es werden bis zum Jahresende 10 000 oder sogar noch mehr sein.“

Auf Lorbeeren ausruhen will sich der aktuell 85 Mitglieder zählende Verein nicht. Neue Mitstreiter sind gern gesehen – vor allem aktive und nicht nur zahlende, sagt Ludwig Rehberg. Und auch die Schauanlage selbst soll umgestaltet werden, um Besucher – auch internationale und Gäste mit Handicap – noch besser die historische Steinschleiferei erklären zu können. Die ersten Arbeiten dafür werden noch in diesem Jahr beginnen. „Bis zum Ende des nächsten wollen wir fertig sein“, erklärt Vereinsgeschäftsführerin Margrit Sendzik.

Die Schauvitrinen sollen einheitlich gestaltet, Beschriftungen auf lesbare Höhe gebracht werden, Audio-Guides an einzelnen Stationen das Erklären übernehmen und Touchscreen-Bildschirme auch visuell die einmalige Schau befördern. Ein Schleifenmühlen-Museum 2.0 sozusagen.

„Wir wollen auch die Ausstellung selbst thematischer organisieren“, sagt Margrit Sendzik. „Die Steinbearbeitung und die Technik werden im Erdgeschoss und die geschichte der Schleifmühle und der Steinschleiftechnik im Obergeschoss erklärt.“

Eine Rampe für den behindertengerechten Zugang hat der Verein bereits bauen lassen. Jetzt soll im Erdgeschoss auch noch mehr Platz für die Rolli-Fahrer entstehen und nahezu alles, was das für sie nicht erreichbare Obergeschoss bereithält, dank moderner Touchscreens und Audio-Guides eben auch im Erdgeschoss erlebbar werden. Dadurch wird auch der Kassenbereich umgestaltet. „Freundlicher und einladender soll er werden“, betont Margrit Sendzik.

Mit Peter Kingerske und Dr. Ralf Gehler hat sich der Verein dafür zwei Profis ins Boot geholt, die selbst seit Jahren den Stadtgeschichts- und -museumsverein unterstützen. Und Bau- und Projektleiter ist der Mann der Geschäftsführerin, Reiner Sendzik. Dass der bis zu seiner Pensionierung beim Landesförderinstitut gearbeitet hat, ist sicher nicht hinderlich. Dennoch sucht der rührige Verein immer Unterstützer – gerade jetzt besonders, da Großvorhaben im kleinen Museum anstehen, das auch Bestandteil der Schweriner Bewerbung für die Aufnahme auf der Welterbeliste ist.

Gerade vom Welterbe-Gedanke und der Aufnahme in Kataloge der Metropolregion Hamburg wie aktuell zu den „Tagen der Industriekultur am Wasser“, die am 3. und 4. Oktober zwischen Cuxhaven und Lübz begangen werden, erhofft sich der Verein weitere Aufmerksamkeit. „Wir konnten in dieser Saison schon verstärkt Besucher aus Hamburg begrüßen“, berichtet Vereinsvorsitzender Ludwig Rehberg stolz. Auch die Aufnahme in die „Via Molina“, die internationale Mühlenstraße ähnlich der Märchen- und Sagenstraße, treibt der Verein voran. Da passt es, dass ein neuer Flyer inklusive neuem Schleifmühlen-Logo gerade in Arbeit ist. Letzteres hat übrigens die Schweriner Designschule entworfen. Im September wird der neue Flyer dann verteilt.

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