Schweriner Museum : Das millionenschwere Kunstpaket

Der 1938 in Schwerin geborene Frank Brabant vor seinem Porträt von Eberhard Dietzsch
Der 1938 in Schwerin geborene Frank Brabant vor seinem Porträt von Eberhard Dietzsch

Sammler Frank Brabant schenkt dem Schweriner Museum 300 Bilder der Klassischen Moderne – 150 sind jetzt ausgestellt

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23. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Weihnachten war für das Staatliche Museum Schwerin in diesem Jahr schon einen Monat früher. Die Galerie Alte und Neue Meister hat ein millionenschweres Geschenk bekommen: Der Kunstsammler Frank Brabant vermacht Schwerin die Hälfte seiner Bilder – rund 300 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken der Klassischen Moderne. Die andere Hälfte bekommt das Museum in Wiesbaden, der jetzigen Heimatstadt des Kunstfreundes, nach dessen Tod.

Brabants Sammlung zählt zu den großen privaten Kunstsammlungen der Klassischen Moderne in Deutschland, die dank ihrer Vielfalt das Kunstgeschehen sowie die politischen und sozialen Verwerfungen, Ängste, Hoffnungen und Utopien der Menschen im vergangenen Jahrhundert spiegelt. Vertreten sind zahlreiche Werke renommierter Meister, aber auch viele qualitativ hochwertige Arbeiten von Künstlern, die heute weitgehend vergessen sind.

„Für das Schweriner Museum stellt die Übereignung der Sammlung Brabant eine herausragende Ergänzung der Moderne dar, die seit Errichtung des Museums im Jahr 1882 integraler Bestandteil der Schweriner Sammlung ist. Die Schenkung ist in ihrer Qualität und dem Umfang nach mit der 2013 vollzogenen Schenkung von Christoph Müller zu vergleichen, die den Bestand der niederländischen und flämischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts wesentlich erweiterte“, umreißt Museumsdirektor Dr. Dirk Blübaum den Wert der Schenkung. Die Brabant-Werke werden aber nicht nur Lücken in der Schweriner Sammlung schließen, sondern auch neue Bezüge in der Präsentation der Moderne eröffnen. So war die Neue Sachlichkeit von entscheidender Bedeutung für die Begründung der Malerei der Leipziger Schule in der DDR, die im Schweriner Museum unter anderem mit Gemälden von Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig und anderen reich vertreten ist.

Doch warum gibt Brabant seine Bilder ausgerechnet nach Schwerin? „Weil ich in Schwerin geboren bin“, sagt er lachend. Als Kind – gleich nach dem Krieg – sei er gern und häufig ins Museum gegangen. „Immer wenn ich keine Kinokarte mehr bekommen habe, bin ich ins Museum“, erzählt er. Und weil der Eintritt damals für Kinder kostenfrei war, „habe ich so sogar immer noch 25 Pfennig gespart.“

Die Affinität zur Kunst, die Liebe zu Bildern ist geblieben, auch als Brabant seine Heimat gen Westen verließ. Die ständige Bevormundung in der DDR habe er nicht ertragen können, sagt er. Angefangen hat seine Sammelleidenschaft dort mit einem Holzschnitt von Max Pechstein. „Ich sah ihn und wollte ihn unbedingt haben. Ich hatte gerade das Geld für meinen ersten VW-Käfer zusammengespart und habe davon den Pechstein gekauft“, erzählt Brabant. Später kamen Werke von Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Georg Tappert, Emil Nolde, Otto Dix, Max Beckmann und viele anderen hinzu. Zielgerichtet erwarb er Werke der frühen Avantgarde.

Ein zentrales Sammlungsgebiet bilden Werke der so genannten „Verschollenen Generation“. Damit sind Künstler gemeint, deren Arbeit durch die NS-Diktatur mit Vertreibung und Verbannung oder durch den Zweiten Weltkrieg unter- oder abgebrochen wurden. Über die Sammlung wird ein Stück vergessener Kunstgeschichte in den Blick gerückt.

Zu sehen sind in der Sonderschau „Von Beckmann bis Jawlensky – die Sammlung Frank Brabant“ derzeit 150 Bilder. Installationen und Videos ergänzen die Ausstellung im Staatlichen Museum, die regulär dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet ist. Am ersten Weihnachtstag und Neujahr erwartet das Museum seine Besucher von 12 bis 17 Uhr. Am 30. Dezember gibt es um
12 Uhr eine Führung durch die Schau.

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