Verkehrschaos in Schwerin : Das Kreuz mit der Reutzstraße

An der Ecke Reutzstraße/Wismarsche Straße sind derzeit für alle Verkehrsteilnehmer gute Nerven gefragt.
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An der Ecke Reutzstraße/Wismarsche Straße sind derzeit für alle Verkehrsteilnehmer gute Nerven gefragt.

Ein Schleichweg, der eigentlich keiner sein soll: Baustelle am Bürgermeister-Bade-Platz machte es bisher möglich

svz.de von
09. Mai 2017, 05:00 Uhr

Montag morgen. 7.15 Uhr. „Papa, wie viel Rot haben wir heute? Ich schätze sechs“, legt sich der Filius fest, der sich neuerdings auf der Fahrt zur Schule einen Spaß daraus macht, einen Ampel-Rotphasen-Tipp abzugeben. Zwei Ampelschaltungen dauerte es früher. Sechs, das könnte heute klappen. Aber nur, wenn mich die gelangweilt dreinschauende Fahrerin eines Kleinwagens netterweise aus der Hofeinfahrt in die verstopfte Reutzstraße einbiegen lässt.

Die Reutzstraße. Sie ist keine 100 Meter lang, verbindet die Wismarsche mit der Alexandrinenstraße und ist eine Einbahnstraße, die auch in Zeiten des Berufsverkehrs alles andere als inflationär genutzt wird. Normalerweise. Seit am Bürgermeister-Bade-Platz gebuddelt und der Verkehr deshalb umgeleitet wird, liegt die sonst so ruhige Reutzstraße im Epizentrum der schlechten Autofahrer-Laune.

„Stop-and-go“ bis zur Wismarschen Straße. Ein Königreich denen, die dort den gebeutelten Seitenstraßlern den Reißverschlussverkehr anbieten, denn aus Richtung Bahnhof stadtauswärts kommen die, die besonders geduldig sein müssen. Die Kleintransporter-Fahrer stehen unter Zeitdruck, die genervten Autofahrer wollen zur Arbeit, die stress erprobten Busfahrer wenigstens einigermaßen ihren Fahrplan einhalten.

Eine Straßenbahn rollt stadteinwärts über die Wismarsche an und bremst schrill bimmelnd ab, weil so ziemlich alle Autofahrer vor ihr links in die jetzt beidseitig befahrbare Reutzstraße einbiegen wollen. Doch nur die stadtauswärts fahrenden dürfen das. Das Verkehrsschild „Vorgeschriebene Fahrtrichtung – geradeaus“ wird von der anderen Seite so konsequent wie erfolgreich ignoriert. Dieser Weg ist derzeit eben der kürzeste, um die bis November angelegte Baustelle zu umfahren.

Es geht vorwärts. Langsam, aber stetig. Nach sechs Rotphasen ab in den Obotritenring. Dass das für Autofahrer mal erstrebenswert sein könnte. Erstaunlich.

8 Uhr. Zurück in der Reutzstraße. Der Große ist in der Schule. Jetzt sitzt sein kleiner Bruder auf dem Rücksitz. Auf zur Kita. „Wie viel mal Rot?“, fragt er. Ich darf einfädeln – und tippe auf sechs.

Das ändert sich ab morgen:

Planer wollen Nadelöhr entschärfen und Schleichwege unattraktiv machen

Noch bis voraussichtlich in den November dauern die Bauarbeiten am Bürgermeister-Bade-Platz an. Zu den Stoßzeiten im morgendlichen und nachmittäglichen Berufsverkehr geht auf der Wismarschen Straße oftmals gar nichts mehr. Deshalb wollen die Stadtplaner das Nadelöhr weiter öffnen und den Abbiegeverkehr von der Wismarschen Straße schneller abfließen lassen. Die neuen Regeln sollen ab morgen gelten, wie Baudezernent Bernd Nottebaum im SVZ-Gespräch erklärte. Dafür werden stadtauswärts zwei Spuren für den Linksabbiegerverkehr, stadteinwärts zwei Spuren für den Rechtsabbiegeverkehr eingerichtet. „Wir hoffen, dass sich dadurch der Rückstau verringert“, so der Baudezernent. Zur Einrichtung der Fahrspuren wird morgen während der Straßenmarkierungsarbeiten der Verkehr durch die Polizei geregelt. Die Ampeln sind von 8.30 bis 15 Uhr abgeschaltet.

Parallel will die Verwaltung den Schleichverkehr durch die Alexandrinen- und Reutzstraße unattraktiver machen. Dafür wird die Grünphase der Baustellenampel auf der Knaudtstraße, die das Einbiegen in die Alexandrinenstraße regelt, sowie die Baustellenampel in der Alexandrinenstraße für die Rechtsabbieger auf die Knaudtstraße umgestellt. Auch das soll laut Baudezernent Bernd Nottebaum in dieser Woche erfolgen. Wie nebenstehender Erlebnisbericht zeigt, nutzen derzeit hunderte Autofahrer diesen Weg, um die oftmals verstopfte Kreuzung Wismarsche Straße, Bürgermeister-Bade-Platz zu umfahren. Das hat zur erheblichen Belastung der Anwohner geführt.

Freie Fahrt in der Innenstadt dürfte es mit diesen Veränderungen allerdings kaum geben. Die Arsenalstraße ist voraussichtlich bis zum Jahresende voll gesperrt. Die Arbeiten am Wittenburger Berg sollen nach jetziger Planung im Juli beendet sein. Und auch wenn weit von der Innenstadt entfernt: Auch die Teilsperrungen auf der Karl-Marx-Allee – immerhin Verbindungsstraße von und zur Umgehungsstraße – dürften sich weiträumig auswirken. Sie beginnen ebenfalls in dieser Woche. Da klingt es fast nach einer Erleichterung, dass die Bauverwaltung dem Staatstheater die Sperrung des Alten Gartens für die Proben zur „West Side Story“ erst ab 19 Uhr genehmigt.

von Timo Weber

 

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