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Schwerin will ins Welterbe : Das Haus für Witwen und Minister

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor. Teil 8: Neustädtisches Palais

Das Neustädtische Palais gehört nicht mehr zur eigentlichen Kernzone des Residenzensembles rund ums Schloss, sondern zur so genannten Pufferzone. Die Adresse lautet heute Puschkinstraße 19 und ist gleichzeitig die Anschrift für das Justizministerium des Landes MV. Doch auch hier wird – wie schon im Marstall – nicht nur regiert, sondern auch repräsentiert und gefeiert. Der 2009 wiedereröffnete Goldene Saal wird für Feiern wie Lesungen, Empfänge, Bälle oder Ausstellungseröffnungen genutzt. Im Herbst 2015 beispielsweise lud Künstler-Legende Armin Mueller-Stahl hierher zur Vernissage für seine Schweriner Schau im Schleswig-Holstein-Haus ein. Von 2003 bis 2008 wurde die das Neustädtische Palais für stolze 11,3 Millionen Euro umfassend saniert. Im Juni 2006 zog das Ministerium ein.

Viele Jahre lang wohnten Mitglieder der großherzoglichen Familie an diesem Ort – Geschwister, Witwen, der Großherzog selbst. Genau deshalb kommt dem Palais besondere Bedeutung bei der Bewerbung für das Unesco-Weltkulturerbe zu, schreibt Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach in seinem Gutachten. Die Geschichte des Gebäudes beginnt 1708, als der Herzog Friedrich Wilhelm des Grundstück an der Schelfe mit mehreren Gebäuden für seinen Bruder Christian Ludwig kaufte. Prinzenhof wurde die Anlage jetzt genannt. Ottersbach beschreibt es als „bescheidenes Barockpalais“. 1780 wurde es als Mittelstück in das geplante Witwenpalais für Herzogin Charlotte Sophie mit einbezogen. Johann Joachim Busch plante die Anlage mit drei Flügeln und zwei Geschossen – ganz nach Art des französischen Stadtpalais. Sophie Charlotte lebte hier bis zu ihrem Tod im Jahr 1810.

Später hatte Finanzminister Leopold von Plessen hier seinen Dienstsitz. Während des Schlossumbaus diente das Neustädtische Palais dann als Interimsresidenz. Hofbaumeister Georg Adolph Demmler gestaltete es ab 1845 entsprechend um. „Der Bau erhielt die für die mecklenburgischen Staats- und Repräsentationsbauten in Schwerin typische Gliederung mit einem rustizierten Erdgeschoss und großen Bogen in den Vorderfronten der beiden Seitenflügel“, schreibt Ottersbach. „Die Grundstruktur des Demmlerschen Umbaus in den Formen des Klassizismus ist am Gebäude bis heute ablesbar.“ 1849 kam der Saal als Südflügel dazu – reine Repräsentationssache. Im Jahr 1857 schließlich zog das großherzogliche Paar offiziell von der Schelfe in sein neues Schloss.
21 Jahre später wurde das Palais im Stil der französischen Renaissance noch einmal grundlegend umgestaltet und zwar für Erbgroßherzog Friedrich Franz und seine frisch angetraute russische Gattin Anastasia. Architekt war diesmal Hermann Willebrand. Aus dieser Zeit stammt die reich verzierte Fassade. Im Innern gab es nun eine neue Treppe, mehr Stuckdekoration und eine orthodoxe Kapelle für Anastasia. 1883/84 ließ Willebrand rückwärtig einen Wohnflügel für die Herzogin Marie, Witwe von Friedrich Franz II., anfügen. Ein damals ebenfalls erbauter schmaler Flügel für die Dienerschaft überlebte die Modernisierungsarbeiten für das Justizministerium nicht. An seiner Stelle gibt es heute einen Neubau. Noch bis 1920 war das Neustädtische Palais Witwensitz, danach nutzte es die neue Landesregierung als Verwaltungsgebäude. 1947 bekam die Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion das Neustädtische Palais und nannte es in Maxim-Gorki-Haus um. Vielen Schwerinern ist es unter dem Namen Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft besser bekannt. Im Eingangsbereich hing das Bild „Triumph des Leninismus“. Nach der Wende bis 1998 war das Neustädtische Palais Sitz der Schweriner Stadtvertretung und des Stadtpräsidenten. Danach stand es kurzfristig leer.




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