Das härteste Rennen Europas

<fettakgl>Show-Start auf dem Roten Platz in Moskau:</fettakgl> In der russischen Hauptstadt verfolgen tausende Zuschauer, wie die beiden Schweriner Ingo Kaldarasch und SVZ-Redakteurin Juliane Haendschke die Silk Way 2012 in Angriff nehmen. <fotos>Nicky Merl</fotos>
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Show-Start auf dem Roten Platz in Moskau: In der russischen Hauptstadt verfolgen tausende Zuschauer, wie die beiden Schweriner Ingo Kaldarasch und SVZ-Redakteurin Juliane Haendschke die Silk Way 2012 in Angriff nehmen. Nicky Merl

svz.de von
27. Juli 2012, 07:19 Uhr

Moskau/Schwerin | Mit vollen 300 PS sind wir im "Siegfried", unserem Mercedes G - Lennson, auf dem Roten Platz in Moskau zur zweithärtesten Rallye der Welt gestartet - ein erhebender Moment. Für uns als Schweriner Team und Deutscher Meister 2011 bedeutete die Silk Way 2012 das erste internationale Langstreckenrennen. Knapp 4000 Kilometer lagen am 7. Juli vor uns und sollten uns durch den russischen "Outback" über Steppen und Wüstensand bis ans Schwarze Meer führen. Monatelange Vorbereitung lagen hinter uns. Auch der Dakarsieger Dirk von Zitzewitz hatte uns mit seiner Erfahrung zur Seite gestanden und mir noch navigatorischen Schliff verpasst. Wir waren als Privatteam sehr gut ausgerüstet.

So verlief dann auch der Start. Der Rote Platz war voll mit Publikum. In Russland ist die Silk Way sozusagen Staatssache. Die Polizei sperrt schon auf unserer ersten, 180 Kilometer langen Überführungsetappe von Moskau nach Ryazan die Fahrbahn für den Verkehr, sobald eines der etwa 130 Rallye-Autos nur in Sichtweite kam. Nach einer dreistündigen Nachtruhe in Ryazan folgte unsere erste Wertungsetappe über 260 Kilometer durch die russische Steppe bis nach Wolgograd. Wir waren richtig gut. Als 65. gestartet, machten wir sofort Boden gut und lagen streckenweise auf Platz 25. Die tiefsandigen Strecken nahm "Siegfried" mit Bravour. Sie brachten allerdings auch das Temperatur-Management unseres Motors durcheinander, kostete uns am Ende des zweiten Tages mehrere Plätze und viel Motorleistung. Unsere Mechaniker zerbrachen sich im Fahrerlager auf dem Flugplatz in Wolgograd den Kopf. Am dritten Rallye-Tag trat das Problem nach 24 Kilometern erneut auf. Wir ließen uns 100 Kilometer durch die Strecke abschleppen. Es war das Härteste überhaupt: Im Abstand von nur vier Metern hinter einem Lkw ist es, als ob wir permanent gegen eine Wand fahren würden. Mit Tempo 50 ging es durch die Steppe. Die Rennstrecke nicht verlassen, das war die Pflicht, denn wir hofften ja, am nächsten Tag wieder zu starten. Aber daraus wurde nichts. Wir bekamen unser Problem nicht in den Griff und brachen am vierten Tag ab, um den Motor nicht zu verlieren.

Erst in Deutschland stellte sich heraus, dass uns ein tief versteckter Fehler in "Siegfrieds " Elektronik das Rennaus in Elista beschert hatte. Wir waren nicht die einzigen: Weniger als die Hälfte der Teilnehmer erreichte die Ziellinie. Schon am ersten Tag schieden rund 20 aus. Auch Präsident Wladimir Putin stand nicht wie angekündigt am Ziel. Die Flutkatastrophe in Gelenzhik forderte seine volle Aufmerksamkeit und sorgte dafür, dass die Silk Way einen Tag früher als geplant in Maykop endete.

Unser Fazit: Fahrer Ingo Kaldarasch und ich als Navigatorin schauen in Sachen Langstreckenrennen selbstbewusst auf unser großes Ziel Dakar 2014. Auch unser Mercedes G ist der Herausforderung gewachsen, und bald wieder oben auf.

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